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Schlossfestspiele Schwerin

„Titanic“ und Schilda trotzen Corona

Der Kultur in Deutschland steht das Wasser bis zum Hals Insider meinen sogar, es stände tatsächlich deutlich höher. Dass sie hingegen untergeht, wie am 15. April 1912 die „RMS Titanic“ im Nordatlantik, ist nicht zu befürchten, denn ein mutiges Team um das Theater in der kleinsten aller Landeshauptstädte Deutschlands stemmt sich energisch dagegen. Mit einer Doppelstrategie, die einerseits auf den singulären Magnet-Effekt der legendären „Titanic“ setzt, andererseits mit Schildbürgerstreichen lockt, mit denen bis auf den heutigen Tag öffentliche Verwaltungen regelmäßig sehr feinsinnig für Heiterkeit sorgen.

Die Schweriner könnten bei der Aktualisierung der bereits vor Jahrhunderten von Johann Friedrich von Schönberg aufgezeichneten Taten der Bürger von Schilda sachdienliche Hinweise von den Stadtvertretern des nahen vorpommerschen Altentreptow erbitten. Die haben in diesem Jahr für die Hebung eines überdimensionalen Findlings um zwei Meter rund 244.000 Euro ausgegeben und sich damit im „Schwarzbuch“ des Steuerzahlerbundes einen Ehrenplatz gesichert. Vermutlich höher noch ins Obligo geht der Verwaltungsrat des Staatstheaters Schwerin, wenn es sich – Corona hin oder her – in dieser Saison auf gleich zwei Freiluft-Kulturangebote einlässt.

„Es wird nicht genauso sein wie vor der Pandemie, wir werden nach wie vor mit Hygienemaßnahmen arbeiten müssen, aber ich bin doch sehr zuversichtlich, dass es uns gelingt, Festspiele zu erleben“, so die in MeckPom für Kultur zuständige Ministerin Bettina Martin (SPD). Sie geht sogar noch weiter „Wenn ich wetten müsste, würde ich wetten, dass es uns gelingt, wieder Indoor-Veranstaltungen zu erleben.“ Auf jeden Fall wird es an den Inzidenzzahlen liegen, ob die „Titanic“ tatsächlich in Schwerin untergeht – wenn nicht, dann wird die Landesregierung die 244.000 Euro von Altentreptow locker überbieten. Denn dort wurde das Hygienekonzept als Modellprojekt erarbeitet. Wie auch immer die Vorgaben aussehen – die diesjährigen Gäste werden sehr viel Platz haben. Da Aerosolforscher immer wieder betonen, wie gering die Ansteckungsgefahr unter freiem Himmel ist, sollte nichts im Wege stehen, die Schlossfestspiele in der Zeit vom 10. Juni bis zum 11. Juli in Schwerin zu besuchen. Und doppelt Geimpften steht die Welt ja ohnehin offen. Ob Schiffsuntergang oder Schildbürger – am besten beides!                           

F. J. Krause © SeMa

Titanic – The Musical

Sie war der Stolz der See und galt als technisch vollendetes Wunderwerk, doch sie sank bereits auf ihrer ersten Fahrt und riss Tausende mit in die Tiefe – der Untergang der „Titanic“ am 15. April 1912 im Nordatlantik steht seitdem für den zerplatzten Traum uneingeschränkter Machbarkeit. Im fatalen Zusammenprall des als unsinkbar geltenden Schiffsriesen mit den Kräften der Natur zeigt sich auch 110 Jahre nach ihrem Stapellauf, wohin blinder Fortschrittsglaube, Gigantomanie, Geschwindigkeitswahn und die Gier nach Rekorden und Profiten führen kann.

Die Schildbürger

Die Bürger von Schilda leiden schwer unter ihrer Weisheit, denn ihr Erfindungsreichtum und ihr kluger Rat sind überall so gefragt, dass sie einfach nicht in Ruhe leben können. Da hilft nur eins: sich blöd stellen. Und so hecken sie eine Reihe von Schelmenstreichen aus, um der Welt ihre Dummheit zu beweisen. Vor der imposanten Schlosskulisse entfaltet sich das tolldreiste Spiel der Bürger von Schilda, die mit Witz und Aberwitz bis an die Schmerzgrenze gehen, schwankend zwischen Bürgerpflicht und Privatinteresse – und deren Schicksal zeigt, dass dummes und kluges Verhalten bisweilen nur eine Auslegungsfrage ist, aber nie ohne Folgen bleibt.

Ticket-Hotline: 0385/5300 123

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