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Waldbaden – der Natur ganz nahe

Nach Wasser suchen die Teilnehmer vergeblich. Beim Waldbaden, einer asiatischen Form der Entspannung, lassen sie sich auf die Ruhe in der Natur ein, um neue Kraft zu tanken.

Beeren sammeln, Holz holen und mehr. Jahrtausendelang zog es uns Menschen in die Wälder, um von dort das zu holen, was wir zum Leben benötigten. Genauso fühlen sich die Menschen immer noch von Wäldern und Naturschutzgebieten angezogen, wie eine Zahl belegt: 40 Millionen Menschen in Deutschland besuchen einen Wald alle zwei Wochen oder öfter, um spazieren zu gehen oder anderen Hobbys nachzugehen. Warum also nicht mal etwas Neues ausprobieren: Waldbaden, eine aus Japan stammende Form der Entspannung. 

Baden in der Atmosphäre des Waldes   

In seinem Herkunftsland heißt es „Shinrin Yoku“, was auf Deutsch in etwa „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“ heißt. Als solches ist Waldbaden in Japan bereits ein fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge geworden, denn viele Studien konnten dessen wohltuende und anhaltende Wirksamkeit belegen. Wer sich umgeben von Bäumen wohlfühlt und gern dort aufhält, der tut dadurch auf schonende Art etwas für seine Gesundheit.

So senkt Waldbaden mit der Zeit den Blutdruck und reduziert Stresshormone, was zum einen an der Ruhe, die der Wald bietet, und zum anderen an seinem Klima liegt. Das Grün der Bäume beruhigt die Nerven und stimuliert auch noch das Immunsystem.

Forschungsprogramm zum Waldbaden

Beim Waldbaden geht es nicht darum, nur im Wald zu sein oder dort spazieren zu gehen. Waldbaden ist mehr, denn die Teilnehmer lassen sich auf den Wald und die Atmosphäre dort ein. Das japanische Landwirtschaftsministerium führte „Shinrin Yoku“ Anfang der 80er-Jahre ein und förderte ein millionenschweres Forschungsprogramm, um die Wirkung des Waldbadens nachzuweisen. Vor zwölf Jahren eröffnete dann das erste Zentrum für „Waldtherapie“, und japanische Universitäten bieten eine Spezialisierung in “Waldmedizin” an. Davon fühlen sich vor allem Großstädter angesprochen.   

Kurse oder eigene Erfahrungen zum Waldbaden   

Wer die Kunst des Waldbadens erlernen möchte, der kann es in Kursen ausprobieren. Es ist aber auch möglich, sich zunächst lang- sam darauf einzulassen, wobei man folgende Punkte beachten sollte: Die wichtigste Regel beim Waldbaden heißt: „Es gibt keine Regeln!“ Beim Waldbaden geht es darum, seine Sinne zu öffnen, zu spüren und wahrzunehmen.  
Dafür ist es vor allem wichtig, sich zu entschleunigen und sich ohne Zeitdruck zu bewegen. Zwischen Bäumen und Büschen in aller Ruhe umherspazieren und immer wieder Pause zu machen, wenn einem danach ist. So lässt sich die Atmosphäre des Waldes ganz in sich aufnehmen. Davor kann man ein wenig meditieren, sich auf das Atmen konzentrieren oder eine Gehmeditation einlegen, bei der man jede Körperbewegung bewusst wahrnimmt. Man kann sich auch einer Visualisierung widmen und sich vorstellen, im Boden Wurzeln zu schlagen und sich mit den Bäumen zu verbinden. Im Wald sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.   

   

A. Petersen © SeMa