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Versicherungen – welche sind wichtig?

Viele Ältere werden ihn noch kennen: den Herrn Kaiser, der für die Hamburg-Mannheimer warb. Die Versicherung ist verschwunden, ebenso die nette Fernsehfigur, die heute um die 70 Jahre alt sein dürfte. Was würde Herr Kaiser heute uns raten: Welche Versicherungen braucht man im Alter?

Gemeinhin heißt es: Ältere Menschen haben mehr Lebenserfahrung, sind ruhiger und besonnener. Anders als Jugendliche halten sie sich zurück, wenn´s riskant wird. Das fanden US-Forscher heraus. Was heißt das für den Alltag in Deutschland? Hier gibt die R+V Versicherung Antworten: Ältere Menschen werden weniger durch private Sorgen um den Schlaf gebracht als durch den US-Präsidenten Trump oder eine in Sachen Zuwanderung vermeintlich überforderte Politik. Dagegen kann man sich nicht versichern. Wohl aber gegen persönliche Unwägbarkeiten des Alters.

Ohne geht´s nicht

Und hier stellt sich die Frage. Was würde heute Herr Kaiser aus seiner Aktentasche hervorholen? Der nette Mann der Hamburg-Mannheimer schickte zum ersten Mal 1972 als cleverer Mittdreißiger sein vertrauenswürdiges Vertreterlächeln ins Werbefernsehen: „Schön, dass ich Sie treffe.“ Heute ist Herr Kaiser Geschichte, ebenso die Hamburg Mannheimer. Die Düsseldorfer ERGO-Versicherungsgruppe übernahm die  Hamburger Assekuranz  und schickte Herrn Kaiser in Rente. Daher können wir ihn nicht mehr begrüßen mit einem kernigen: „Hallo, Herr Kaiser: Welche Versicherungen brauche ich, wenn ich so alt bin wie Sie?“

Dafür antwortet jetzt Kerstin Hußmann-Funk von der Verbraucherberatung Hamburg (Abteilung Geldanlage/Altersvorsorge/Versicherungen) auf die Frage: „Welche Versicherungen sind unabdingbar für Senioren?“ Dabei gilt der Grundsatz, egal, ob jung oder alt: Alles, was die Existenz kosten kann, ist eine Versicherung wert. So braucht jeder eine Krankenversicherung, eine Haftpflichtversicherung. Beide sind Standard und ein Muss. Hußmann-Funk: „Viele Versicherer bieten preiswerte Seniorentarife an. Ein Vergleich lohnt sich aber immer.“

Auch für Sascha Christian Borck vom Sozialverband VdK Hamburg e.V. ist eine private Haftpflichtversicherung für Senioren notwendig: „Unsere Experten empfehlen eine pauschale Deckungssumme von mindestens drei Millionen Euro.“ Zudem weist er auf eine gerade für Hamburger Senioren, die oft einen vierbeinigen Begleiter haben, nötige Police hin: In Hamburg ist eine Tierhaftpflichtver- sicherung für Hundehalter gesetzlich vorgeschrieben.

Hausrat ist ratsam

Auch bei der Hausratversicherung, die im privaten Haushalt die – eventuell über die Jahre wertvoll gewordene –Einrichtung gegen Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Einbruchdiebstahl, Raub und Vandalismus absichert, sollte jeder ganz auf Nummer sicher gehen: Wer  genug zurückgelegt hat, kann dem Unerwarteten zwar ruhiger entgegensehen als jemand, der wenig gespart hat. Bedeutet der Verlust des Hausrats jedoch einen Schaden, der nicht aus dem eigenen Portemonnaie ersetzbar ist und der das weitere Leben im Alter ins Rutschen bringt, dann ist eine Versicherung erforderlich.
Dabei verweist die Verbraucherzentrale darauf, dass die Haus- ratversicherung grundsätzlich den Neuwert ersetzt. Auf den Zeitwert einer Sache kommt es nicht an. Dabei sind jedoch Wertsachen (etwa Schmuck oder Bargeld) meistens nur zu einem Teil abgesichert, nur zu 20 bis 30 Prozent). Hußmann-Funk hat einen Tipp für zuweilen allzu arglose Menschen: „Eine Hausratversicherung zahlt auch bei Einbruchsdiebstahl. Allerdings gilt bei älteren Verträgen, dass gestohlene Gegenstände nur ersetzt werden, wenn wirklich eingebrochen wurde, wenn zum Beispiel die Tür oder Fenster aufgebrochen wurden. Hat der Betroffene selbst die Tür geöffnet, weil er  getäuscht wurde, dann handelt es sich um einen Trickdiebstahl. Der ist nur in neueren Verträgen mitversichert.“ Alte bieten möglicherweise keinen Schutz. Ein Rat: Wer in eine kleinere Wohnung umzieht und sich dabei von dem einen oder anderen trennt, meldet das der Versicherung, um Beiträge zu sparen. Und: Eine Hausratversicherung nutzt auch dem, der  im Senioren- oder Pflegeheim lebt und eigene Möbel mitgenommen hat.

Pflicht beim Fahren

Doch nicht nur das Zuhause bietet Versicherungen ein sicheres Ruhekissen im Alter, wenn zuweilen mal etwas schiefgeht.  Senioren von heute sind mobiler als früher: Sie fahren Auto – und geraten dabei immer öfter in die Schlagzeilen. Ältere seien, so heißt es, schlechtere Fahrer.  Was macht nun die Tour zur Freundin aus der Rommé-Runde zur sicheren Fahrt?  
Eine Kfz-Haftpflichtversicherung muss jeder haben, auf den ein Auto zugelassen ist. Die Prämien steigen hier ab einem bestimmten Alter. Hoffmann-Funk verweist darauf, dass Versicherer sich auf Statistiken berufen, nach denen die Unfallgefahr mit dem Alter steige: „Dieses erhöhte Risiko muss aus Sicht der Versicherer gegen-finanziert werden. Die Altersgrenze ist aber nicht bei allen Versicherern gleich, sodass sich hier unbedingt ein Vergleich lohnt. Für die Einstufung ist im Übrigen entscheidend, wie viele Jahre unfallfrei gefahren wurde. Wird ein Auto von einem Ehepaar genutzt, sollte es auf denjenigen zugelassen werden, der mehr unfallfreie Zeiten nachweisen kann.“ Ihr Tipp:  Möchte man das Auto nicht mehr selber fahren, kann der eigene Schadenfreiheitsrabatt bei einigen Anbietern auf eine andere Person übertragen werden. Außerdem wird die Versicherungsprämie günstiger, wenn mit dem Versicherer vereinbart wird, dass das Auto wenige Kilometer im Jahr fährt und nur von einer Person gefahren wird.

Einen speziellen Rat gibt Daniel Sander von Talanx Deutschland, der am Standort Hilden für die Hamburger Versicherung neue leben verantwortlich ist. Auch für ihn sind Kranken- und Haftpflichtversicherung keine Frage. Er rät zudem Senioren zu einer Unfallversicherung – mit Blick auf einen typischen Unfall im Alter: Oberschenkelhalsbruch. Eine Wohngebäudeversicherung und Elementarversicherung seien, so Sander, zudem hilfreich für Hausbesitzer. Sie federn manche Unwetter- oder andere Schäden am Hause ab, denn dann müssen teure Reparaturen das eigentlich im Alter gewünschte mietfreie Wohnen nicht verhageln. Auch hier sollten Senioren sich an ihren Versicherer wenden, wenn sie die Wohnung oder das Eigenheim altersbedingt barrierefrei umrüsten oder einen Wintergarten errichten, um die Abendsonne zu genießen. Solche Umbauten verändern den Wert des Hauses – und könnten eine Unterversicherung nach sich ziehen.

Möglich im Alter
Versicherungen wie die Kranken- oder die Kfz-Versicherung hat der Gesetzgeber dem Senior ins Pflichtenheft der Policen geschrieben, damit er gegen Unbill geschützt ist. Doch wer einen Blick ins Fernsehen oder in die Zeitschriften wirft, merkt: Da ist viel mehr. Dabei ist vieles an Versicherung möglich, aber nicht alles für jeden nötig.

So sind manche Versicherungen nur unter bestimmten Lebensumständen oder in speziellen Situationen hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich für Senioren – auch wenn die Versicherer hier die Werbetrommel rühren. Eine Reiserücktrittsversicherung und Auslandsreisekrankenversicherung stehen dem Urlauber gut zu Gesicht, wenn Mallorca wegen Krankheit ausfallen muss. Senioren mögen anfälliger sein als jüngere Globetrotter. Und die, die endlich Zeit haben, in der Sonne Teneriffas zu überwintern, sollten daran denken: Wer länger als sechs bis acht Wochen urlaubt, braucht oft eine spezielle Krankenversicherung. Das gilt besonders für gesetzlich Krankenversicherte. Im Krankheitsfall zahlen sie den Rücktransport nämlich selbst.
Eine Sterbegeldversicherung ist für den einen oder anderen eine Möglichkeit, die Angehörigen von Bestattungskosten zu entlasten. Doch eine solche Police ist um-stritten. Oft sind die Tarife hoch, die Summe ist niedrig. Besser sei es, früh Geld zurückzulegen.

Unwägbar – Gesundheit und Pflege

Eine Zusatzversicherung für Brille, Zahnersatz oder Hörgerät kann sinnvoll sein. Auch hier rät Sander: „Aufs Preis-Leistungs-Verhältnis achten!  Die Verbraucherberatung hält die Brillen-Versicherung für überflüssig. In der Regel sei die Existenz nicht in Gefahr, wenn die Brille verloren wurde oder zwischen zwei Buchdeckeln zu Bruch gegangen ist. Wer gut hören will, muss sich ebenso wenig versichern – kann aber: Das normale Hörgerät ist eine Kassenleistung. Wer ein anderes, teureres Modell möchte, sollte sich den Rat hinter die Ohren schreiben: Wer mehr will, als die Kasse zahlt oder sein Hörgerät verliert, sollte eigene Rücklagen nutzen.

Bei den Zähnen liegt die Sache etwas anders. Hußmann-Funk: „Die Prämien steigen deutlich mit dem Alter und dem Risiko, dass die Versicherung für Zahnersatz in Anspruch genommen wird. Insbesondere wenn der Betroffene bereits Zahnersatz erhalten hat, werden die Prämien sehr teuer bzw. man findet keinen Versicherer.“ Auch der Sozialverband VdK sieht Zusatzversicherungen im Gesundheitsbereich kritisch, da „die Beiträge häufig höher sind als die Schadenshäufigkeit und -höhe.“  
Für viele Senioren gerät  mit den Jahren Jahre auch eine mögliche Pflege in den Blick – und damit die befürchteten Kosten eines Pflegeplatzes. Denn: Die gesetzliche Pflegeversicherung bezahlt nicht immer alle Kosten im Pflegefall. Hier  setzen private Zusatz-Pflegeversicherung an, diese Lücke zu schließen. Dabei hängen die Tarife vom Alter und Gesundheitszustand ab. Hier rät die Verbraucherberatung: „Grundsätzlich gilt, dass es besser ist, Kapital anzusparen und dies ohne Versicherung abzuschließen. Versicherungen sind teure Sparverträge. Es kommt aber auf den Einzelfall an. Man sollte sich daher rechtzeitig und vor allem unabhängig beraten lassen.“

Unnötig im Alter

Für andere  Sorgen und Nöte braucht man gar keinen Versicherer mehr. Manche Policen kann der Senior aufs Altenteil schicken. So etwa die  Berufsunfähigkeitsversicherung, die Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder Krankentagegeldversicherung. Brock: „Wer nicht arbeitet, hat kein Risiko einer Berufsunfähigkeit  mehr.  Die Rente wird von einem Unfall nicht angetastet. Unter Umständen sinnvoll sind höchstens spezielle Senioren-Unfall-Versicherungen, die Assistance-Leistungen abdecken, falls der Versicherte sich aufgrund eines Unfalls nicht mehr selbst versorgen kann.“
Eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit ist in erster Linie mit Weitsicht geboten.  Denn: Im Renten- und Pensionsalter gibt es keinen Verdienst mehr, der gegen Unfall oder Krankheit abzudecken ist. Hier gilt: Vorsorge in jungen Jahren hilft gegen Unwägbarkeiten im späteren Beruf. Hußmann-Funk: „Für viele bietet die Berufsunfähigkeitsversicherung einen existenziellen Schutz. Allerdings muss diese Versicherung in jungen Jahren und möglichst gesund abgeschlossen werden, da man ansonsten entweder keinen Vertrag bekommt, wichtige Risiken ausgeschlossen werden oder die Prämien viel zu teuer werden.“
Dabei sollten auch ältere Menschen darauf achten, dass ihnen die Versicherer das anbieten, was sie im Alter bauchen.  Es gibt nicht nur in vielen Sparten besondere Seniorentarife. Senioren sollten aber auch selbst, so Sander, drauf achten, dass Versicherungen keine altersbedingten Leistungseinschränkungen oder Beitragszuschläge enthalten und der Vertrag nicht  altersbedingt automatisch ausläuft. Und zuweilen hilft es, den Tarif-dschungel zu durchforsten und sich auf Neues  in der Welt der Versicherungen einzustellen. Wer etwa einen sehr alten Hausrat- oder Haftpflichtversicherungsvertrag hat, prüfe, ob eine neue Police nicht günstiger wäre. Eventuell sind ältere Menschen, die mit ihren Kindern unter einem Dach wohnen, auch in Sachen Haftpflicht- oder Hausrat mitversichert.

Wer in jungen Jahren eine Versicherung abschließt, geht mit dem Unternehmen und dem Betreuer vor Ort zuweilen eine Allianz fürs  Leben ein. Das kann, aber muss nicht sein. Denn Versicherungen sind keine Behörden. Policen sind nicht auf ewig abgeschlossen. Senioren können prüfen, sich beraten lassen und zu einer preiswerteren Versicherung wechseln – auch um eventuell mehr Geld für den Herbst des Lebens zu haben.

Dr. H. Riedel © SeMa