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OLL INKLUSIV – Gegen Altersarmut und Einsamkeit

Gesellschaftliches Angebot „OLL INKLUSIV“ für Alt-Hippies und Woodstock-Besucher

Das Kopfsteinpflaster vor dem traditionsreichen Musikclub KNUST in der ehemaligen Rinderschlachthalle im Hamburger Stadtteil Sankt Pauli glänzt ganzflächig. Es regnet Bindfäden an diesem Tag. Es ist der 1. Oktober, Weltseniorentag. Und gerade hat hier zur Feier des Tages der sechste Seniorenflashmob stattgefunden. Etwa 250 Menschen 60+ waren dabei. Damit bei der anschließenden Kopfhörerdisko alle fröhlich ihre Körper auf der Tanzfläche bewegen, hat Mitra Kassai aka DJ Rita für eine ausgewogene Musikmischung gesorgt. Die Tanzfläche war die meiste Zeit über voll.

Mitra Kassai ist im richtigen Leben Musik- und Kulturmanagerin. Wenn Weltseniorentag ist und Dagmar Hirche den Seniorenflashmob in Hamburg organisiert, ist sie immer gern mit dabei.
Nachdem wir das KNUST verlassenhaben und schräg gegenüber in ihr Büro eingekehrt sind, ist die gute Stimmung immer noch zu spüren. Denn heute wollen wir nicht über den Weltseniorentag sprechen, sondern über ihre gemeinnützige Initiative  „OLL INKLUSIV“. „Nicht

‚All‘ und auch nicht ‚inclusive‘“, erläutert sie den Namen. „Ich liebe Wortspiele, oll von ‚je oller, desto doller‘ und ‚inklusiv‘ von inkludieren, Inklusion – da ergibt sich nur diese eine Möglichkeit“, amüsiert sich Kassai über ihre Wortfindung. Seine Fanbase „oll“ zu nennen, ist das nicht auch ein bisschen mutig? Kassai: „Das ist richtig, aber wir sind ja mutig! Wir wollen Mut machen, wir wollen Mut geben. Oll ist in diesem Zusammenhang auf keinen Fall negativ gemeint, ganz im Gegenteil: Wir lieben Senioren.“
Dieser Mut wurde auch schon belohnt: Der Hamburger Senat hat Mitra Kassai 2019 mit dem Annemarie-Dose-Preis für innovatives Denken ausgezeichnet. Was genau machen also Mitra Kassai und ihre gemeinnützige Initiative OLL INKLUSIV? Die Antwort lautet: bunte Nachmittage. Kassai nennt ihre Formate „Halbpension“ und „Halbpension-Ausflug“. „Bei Halbpension gehen wir monatlich in die Clubs dieser Stadt: zum Beispiel in den Stage Club, das Mojo Jazz Café oder auch ins kukuun. Und dort wird dann ein buntes Programm geboten. Das dauert von etwa 14 bis 17 oder 18 Uhr. Dann ist auch Schluss“, so die Gründerin.

Zielgruppe: Senioren und Senoritas

Zu den Nachmittagen mit Musik von den Rolling Stones, Jimi Hendrix oder den Beatles gibt es für die Teilnehmer – hier liebevoll Senioren und Senoritas genannt – Boogie-Funk, Soul und alten Rock’n’Roll. „Also schlagerfreie Zone“, grinst Kassai verschmitzt. Bei den Halbpension-Veranstaltungen gehe es vor allem auch um ein Miteinander, darum, Leute kennenzulernen und vielleicht einmal etwas außerhalb der organisierten Veranstaltungen zu unternehmen. „Da wurden schon einige Freundschaften geschlossen, was ich sehr, sehr gut finde“, sagt sie.   

Wer kommt zu den Veranstaltungen?

„Das sind genau diese Feurigen, Pfeffrigen, - Senioren und Senoritas – eben die, die noch was erleben wollen; die, die noch rausgehen – die versuchen wir, mit unseren Formaten anzusprechen“, sagt Kassai. Für sie selbst spielt Musik übrigens eine wichtige Rolle. „Musik ist mein Leben.“, sagt die gebürtige Münchnerin. Ohne Musik ist Mitra Kassai nicht fröhlich. Nicht fröhlich ist sie auch bei der Vorstellung, mit ihren Senioren und Senioritas zum Beispiel Kastanienmännchen zu basteln. „Ich mach mit meinen Leuten das, was ich selbst gut finde. Bei Kastanienmännchen bin ich raus.“ redet sie sich in Fahrt und man merkt ihr das Feuer an. „Wir essen lieber gemeinsam Kuchen, haben einen schönen Klönschnack, lernen uns kennen, tauschen uns aus oder schmieden auch Pläne für die Zukunft. Das Leben ist kurz und ich finde es viel schöner, den Moment gemeinsam zu  genießen, indem man gemeinsam etwas tut – und das ist bestimmt nicht Kastanienmännchen zu basteln, die hinterher keiner haben oder aufstellen will.“

Über 600 Menschen haben sich inzwischen bei OLL INKLUSIV für den Newsletter angemeldet, sind im Verteiler von Mitra Kassai. Die Initiative wurde im März 2018 gegründet und finanziert sich ausschließlich über private Spenden. „Wir passen in kein Schema, und das ist doch ziemlich spannend“, lacht Mitra Kassai und freut sich schon auf ihren nächsten „Halbpension“-Nachmittag.    

KONTAKT
Mitra Kassai, Geschäftsführerin OLL INKLUSIV gUg, Neuer Kamp 32, Hamburg – St. Pauli E-Mail: neuigkeiten@oll-inklusiv.de, www.oll-inklusiv.de

SPENDENKONTO: Empfänger: OLL INKLUSIV gUg, IBAN: DE30 2005 0550 1042 236750 BIC: HASPDEHHXXX BETREFF: Oll Inklusiv – gemeinsam statt einsam

Corinna Chateaubourg © SeMa