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Mit dem geliebten Haustier das Grab teilen

Zwei wahre Geschichten: Viele Jahre war Kater Felix der treue Freund eines alten Ehepaars gewesen. Als der Mann starb, war Felix ein Trost für die Witwe. Als auch der Kater starb, überlegte sie nicht lange, was mit dem toten Tier geschehen sollte. „Wir gehören zusammen,“ entschied sie. „Felix kommt in das Grab meines Mannes.“ Doch erlaubt war das nicht. So wurde der Kater liebevoll in einen Karton gebettet, eine unauffällige kleine Schaufel eingepackt und beides in einer Kunststofftüte eines namhaften Discounters untergebracht „Es war schon schummrig, als ich mich mit Felix auf den Weg zum Friedhof machte“, berichtete die Seniorin tags darauf noch immer leicht unter Schock stehend ihrem Pastor. „Kurz vor dem Eingang ist es dann passiert. Ein junger Mann rannte auf mich zu. Ehe ich noch wusste, was geschah, hatte er die Tüte in der Hand und lief davon. Nicht einmal schreien konnte ich vor Schreck! Was soll ich nur tun, Herr Pastor, können Sie helfen?“ Nein, das konnte er nicht. Doch nicht nur Pastoren – selbst Könige sind in Sachen Bestattung machtlos. Testamentarisch hatte Friedrich II. von Preußen, der „Alte Fritz“ (1712–1786) verfügt, bei seinen zehn Windspielen bestattet zu werden. Dennoch ließ ihn sein Neffe und Nachfolger Friedrich Wilhelm II. aus repräsentativen Gründen in der Potsdamer Garnisonkirche an der Seite seines Vaters Friedrich Wilhelm I. beisetzen.

Hamburg macht‘s möglich

Dass kurz vor der Bürgerschaftswahl im Februar alle im Rathaus vertretenen Parteien einmütig einen Beschluss fassten, wird vermutlich in die Geschichte des Hamburger Parlamentarismus eingehen. Allerdings haben die Abgeordneten mit ihrem Votum eine Tür eingerannt, die ohnehin weit offen stand. Schon bald können auf den städtischen Friedhöfen der Hansestadt Mensch und Tier in einem Grab bestattet werden. Ein entsprechendes Gesetz beschloss die

Hamburgische Bürgerschaft. Es soll erlaubt sein, in einer vorab erworbenen Grabstätte, in der man später selber bestattet werden möchte, die Urne mit der Asche eines Tieres beisetzen zu lassen. Auf den Friedhöfen sollen dafür spezielle Flächen bereitgestellt werden, um die Gefühle derer nicht zu verletzen, die mit solchen Bestattungsformen nicht einverstanden sind. Nachdem bei Befragungen in Hamburg das Projekt eine überwältigende Zustimmung gefunden hat, ist nicht auszuschließen, dass die neue Möglichkeit auch für den ganzen Friedhofsbereich Geltung bekommen wird.

Was Luther und andere Theologen sagen

Ein kleines Mädchen fragte Martin Luther (1483–1546), ob Hunde in den Himmel kämen. Luther soll geantwortet haben: „Natürlich, und im Himmel haben alle Hunde goldene Schwänze.“ Fünfhundert Jahre nach Luther gab die frühere Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann etwas vorsichtiger zu Protokoll: „Ich weiß, dass Ole (ihr Hund) eine Seele hat. Ob er in den Himmel kommt, überlasse ich dem lieben Gott.“ Dr. Rainer Hagencord leitet als katholischer Priester und Biologe das Institut für Theologische Zoologie an der Uni Münster. Er tritt entschieden für eine Geschwisterlichkeit alles Lebendigen ein. Das Institut will den Tierschutz aus der Ecke herausholen, in die sich Tierschützer oft selber manövrieren. Leitgedanke ist: Es geht nicht um Vermenschlichung des Tieres, auch nicht darum, dass das Tier Ersatz für menschliche Beziehungen ist. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst sagte Hagencord zum Thema gemeinsame Bestattung: „Ja, ich begrüße das. Denn hier kommt die Erfahrung zum Ausdruck, dass wir Menschen ohne Tiere nicht leben können. Theologisch geht es aber auch um die Frage, ob es zwischen beiden wirklich so fulminante Unterschiede gibt, dass der Mensch als Krone der Schöpfung bezeichnet werden kann. Ich würde sagen nein … Diese neuen Friedhöfe sollten eine Debatte anregen, die den Blick weitet: Von den geliebten Haustieren, die wir über den Tod hinaus an unserer Seite haben wollen, bis hin zu den Tieren in Agrarfabriken und Schlachthöfen, die dort ein elendes Dasein fristen. Man muss auch über Puten, Hühner, Schweine und Rinder nachdenken. Wir sollten Konsequenzen ziehen und sagen: Wenn wir unseren Hund oder unsere Katze so liebevoll bestatten, sollten wir nicht gleichzeitig all das Billigfleisch kaufen und essen, das so viel Leid und Umweltschäden verursacht.“ Ob die Damen und Herren der Bürgerschaft bei ihrer gemeinsamen Initiative das alles auch bedacht haben und planen, es ihren Wählern zu vermitteln? Schön wäre es.    

F.J. Krause © SeMa