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Klaus Kühl – Erfinder aus Liebe

Dass nicht nur Not erfinderisch macht, sondern auch die Liebe, dafür ist Klaus Kühl das beste Beispiel. Er pflegte seine an Multipler Sklerose erkrankte Frau 16 Jahre und verlor dabei nie den Mut. Er erfand Spiele und Instrumente, die das Leben seiner Frau erleichterten und abwechslungsreicher machten. 

Im Alter von 31 Jahren lernte Klaus Kühl die damals 26-jährige Heike in einem Lokal in Elmshorn kennen. Sie verliebten sich, heirateten 1994, bekamen zwei Kinder und genossen ihr Leben, in dem Humor und Optimismus immer eine große Rolle spielten. Klaus Kühl war als Elektrotechniker tätig, absolvierte aber nebenbei auch ein Studium als Kunstmaler. Seine Frau Heike arbeitete als Erzieherin und später als Altenpflegerin. Die Diagnose MS bekam sie schon in ihrer Jugend. Dass diese Krankheit nicht heilbar ist, war auch dem Ehepaar bekannt. Die beiden wollten, solange es geht, das Leben genießen.

Klaus Kühl: „Wir versuchten, trotz der schweren Krankheit meiner Frau viel Freizeit gemeinsam zu verbringen. Wir schafften uns ein größeres Auto an, um dort ein Reisebett für sie, den Rollstuhl, uns und unsere beiden Kinder und alle Sachen, die wir benötigten, unterzubringen. Heike liebte diese Ausflüge an die Ost- und Nordsee. Ich wollte ihr das Leben noch so schön wie möglich gestalten, da ich nicht wusste, wie lange sie diese Krankheit, die 1000 Gesichter hat, überleben würde. Meine Frau war immer sehr tapfer und jammerte nie, obwohl es ihr zugestanden hätte. Ich pflegte sie, kochte häufig auch ihr Lieblingsessen, Senfeier und Pudding, und las ihr jeden Wunsch von ihren schönen braunen Augen ab. Mit Hörbüchern konnte ich ihr auch eine Freude bereiten. Dabei waren „Bibi Blocksberg“ und „Unsere kleine Farm“ ihre Favoriten. 1999 gab ich meinen Beruf auf, um dann rund um die Uhr für sie da zu sein. Ich fing an, wieder Bilder zu malen um damit den Lebensunterhalt zu verdienen. Sie in ein Heim zu geben kam für mich nicht infrage. Anfang April diesen Jahres verlor sie, im Alter von nur 56 Jahren, den Kampf gegen die tückische Krankheit. Sie schlief ganz friedlich gegen vier Uhr morgens in unserer Wohnung ein.“

Klaus Kühl gestaltete seiner Frau ihr Leben so schön und abwechslungsreich, wie es nur ging. Seine Gedanken kreisten um Gegenstände, die den Alltag erleichtern und spielerischer machen sollten. Er zeichnete und entwickelte Spielgeräte, die seine Frau auch vom Rollstuhl aus  betätigen konnte. Zum Beispiel einen Ball-Schläger mit drei Funktionen – zum Schlagen, Fangen und Werfen – oder auch eine sich drehende Holzscheibe, auf die mit einem Ball am Band gezielt geworfen werden kann. Diese und noch andere von ihm erfundene Spielgeräte unterstützen und fördern die Beweglichkeit der Hände, die Konzentration und die Motorik.

Genial sind aber die beiden therapeutischen Erfindungen des Elmshorners: Die quadratische Decke mit vier stabilen Griffen erleichtert das Wenden der kranken Personen kolossal. Sie können damit mühelos in die Seitenlage gebracht werden. Auch der Hygienespreizer ist eine ganz wichtige Erfindung für Menschen, die Schwerkranke pflegen. Frau Kühl bekam immer stärkere Spastiken in den Beinen, die besonders das Waschen im Intimbereich erschwerten. Durch die Anwendung dieses Gerätes wurden die Spastiken weniger, und die Hygiene verbesserte sich.

Diese beiden Erfindungen würden auch die Arbeit der Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen sehr erleichtern. Herr Kühl sucht dafür Firmen, die ihm bei der Herstellung und dem Vertrieb dieser beiden therapeutischen Hilfsmittel unterstützen könnten. Der gelernte Kunstmaler widmet sich jetzt wieder seinen Bildern und lenkt sich mit der Malerei von seiner Trauer ab. Er kommt mit seiner mobilen Galerie gern auch zu Ihnen, wenn Sie sich für seine Bilder interessieren.  

Kontakt zu Klaus Kühl über: info@nordkunst.de oder per Telefon unter 0160/185 05 18 und 04101/64 29 10.   

 

Text © Marion Schröder/Fotos Marion Schröder und privat

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