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Jedes Requisit erzählt eine Geschichte

Reden über Fußball – positive Erinnerungen hervorrufen

Der Demenzkoffer des HSV:
Darin enthalten sind Fotos, alte Eintrittskarten, Fußballschuhe, ein Schal und ein Ball sowie zahlreiche weitere Devotionalien.
Bild © Matthias Scharf Fotografie

Wer sein Leben lang Fußballfan war, hat eine Menge guter Erinnerungen an sein Hobby oder an seine Leidenschaft. Jetzt kommen die Erinnerungen an tolle Tage im Stadion oder an Erlebnisse rund um die eigene Fußball-vergangenheit ins Alters- oder Pflegeheim.

HSV und St. Pauli haben einen sogenannten „Erinnerungskoffer“ geschaffen. Darin enthalten sind Fotos, alte Eintrittskarten, Fußballschuhe, ein Schal und ein Ball sowie zahlreiche weitere Devotionalien rund um den jeweiligen Verein. „Das Projekt ist gemeinsam entstanden, aber jeder Verein hat seinen eigenen Koffer entwickelt“, erläutert Fanny Boyn, Fanbeauftragte beim HSV. Ziel sei aber, später gemeinsam in eine Einrichtung zu gehen, da nicht klar sei, wo welcher Fan wohne. Außerdem sei die jeweilige Vereinsgeschichte sehr unterschiedlich, sodass es Sinn macht zwei unterschiedliche Koffer zu entwickeln.

Ehrenamtliche Helfer – 18 sind es aktuell beim HSV – gehen mit diesem Koffer in Pflegeeinrichtungen und sprechen mit demenziell Erkrankten über Geschichten und Anekdoten aus der Vergangenheit von HSV oder Sankt Pauli. Das weckt bei Bewohnern und Patienten vor allem eins: positive Erinnerungen!

Eine Zeitung aus vergangenen Tagen:
Mit verschiedenen Dingen aus dem Demenzkoffer des HSV werden gute Erinnerungen geweckt.
Bild © Matthias Scharf Fotografie

„Die Idee stammt aus England“, so Fanny Boyn, die „Pflege und Management“ an der HAW Hamburg (Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Berliner Tor) studiert hat. „Beim FC Watford gab es schon etwas Vergleichbares. In Deutschland entwickelte  Fortuna Düsseldorf als erster Verein den sogenannten „Demenzkoffer“ gemeinsam mit Caritas, Deutschem Roten Kreuz (DRK) und dem Demenznetz Düsseldorf.“ Jetzt gibt es das Projekt von den beiden Zweitligisten in Zusammenarbeit mit der HAW auch in Hamburg. Im vergangenen Jahr wurden zunächst ehrenamtliche Helfer gesucht, die mit dem Erinnerungskoffer in eine Einrichtung gehen, um mit den Bewohnern über den HSV zu sprechen. Gerechnet hatte Fanny Boyn mit zwei, drei Interessierten. Gemeldet haben sich aber viel mehr.

Im Januar ging es zum ersten Besuch in eine Einrichtung in Poppenbüttel. Begeistert seien die Teilnehmer gewesen, so Boyn. Und: „Die Erfahrung in England und Düsseldorf habe gezeigt, dass diese Begeisterung oft auch nach der eigentlichen Aktion noch anhalte. Die Bewohner der Seniorenheime, in denen die Aktionen durchgeführt wurden, würden auch Tage danach noch davon reden“, sagt die Fanny Boyn.

Zunächst war geplant, mit einem Koffer in eine Einrichtung in Hamburg zu gehen. „Dadurch, dass wir jetzt so viele freiwillige Helfer gefunden haben, bin ich schon jetzt dabei, das Projekt auszubauen. Die aktuell 18 Helfer sind in ganz Hamburg verstreut und darum macht es Sinn, Einrichtungen in ganz Hamburg zu finden, die wir mit dem Erinnerungskoffer besuchen können“, so Boyn. Die Resonanz auch bei den Pflegeheimen sei groß, sodass das Projekt jede Menge Potenzial habe zu wachsen. Fanny Boyn: „Hamburg ist groß, wir haben vier Koffer mit Exponaten gefüllt – jetzt können wir in allen vier Himmelsrichtungen loslegen.“    

Weitere Informationen hat Fanny Boyn, Fanbeauftragte/Schwerpunkt Inklusion, Tel. 040/41 55 -1517, Mobil 0151/64 58 42 21, E-Mail: Fanny.Boyn@hsv.de
Wer noch tolle Erinnerungsstücke an den HSV hat, die er gern für den Erinnerungskoffer bereitstellen will, kann diese auch spenden.  

Corinna Chateaubourg © SeMa