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Immer mehr Ü60-Jobber

Doppelt so viele wie 2007: Aktuell haben rund 2,6 Millionen Menschen, die älter als 60 sind, einen sozialversicherungspflichtigen Job. Warum arbeiten trotz Rente? Was ist dabei zu beachten?

Bis zum 67. Lebensjahr einer Tätigkeit in Vollzeit nachzugehen, das klingt für die meisten Menschen nicht sehr verlockend. Doch wer in den Jahrgängen 1964 oder später geboren wurde, der wird sich mit dem Gedanken anfreunden müssen. Zumindest auf den ersten Blick, denn es gibt auch alternative Möglichkeiten zur Berufstätigkeit bis zum Erreichen des vollständigen Rentenalters. So ist es unter anderem möglich, ab dem 55. Lebensjahr in Altersteilzeit zu gehen. Dies bedeutet, dass die verbleibende Arbeitszeit bis zur Rente halbiert wird, um den Arbeitnehmern den Übergang zur Rente zu erleichtern und die Position gleitend mit jüngeren Kollegen zu besetzen.

Voraussetzungen für Altersteilzeit

Bei diesem Übergleiten in den Ruhestand ist folgender Punkt zu beachten: Da gleichzeitig mit der Reduzierung der Stunden der Stundenlohn um mindestens 20 Prozent erhöht werden muss, reduziert sich das Einkommen des zukünftigen Rentners nicht so stark wie seine Arbeitszeit. Altersteilzeit im Sinn des AltersTZG können Arbeitnehmer eingehen, die 1. das 55. Lebensjahr vollendet haben, 2. aufgrund einer Vereinbarung mit ihrem Arbeitgeber ihre Arbeitszeit auf die Hälfte der bisherigen wöchentlichen Arbeitszeit verringern, 3. in den letzten fünf Jahren vor Beginn der Altersteilzeit mindestens 1.080 Kalendertage (drei Jahre) arbeitslosenversicherungspflichtig beschäftigt gewesen sind. Mit angerechnet werden auch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen in einem anderen EU-Mitgliedstaat. Innerhalb der Fünf-Jahres-Frist zählt auch der Bezug von Arbeitslosengeld, Hartz IV oder einer anderen Entgeltersatzleistung (z.B. Krankengeld) als Zeit einer versicherungspflichtigen Beschäftigung. Generell kann Altersteilzeitarbeit höchstens bis zum Ablauf des Monats, in dem die Regelaltersgrenze erreicht wird, vereinbart werden. Achtung: Wer in Altersteilzeit ist, darf nur einen Mini-Job (bis 450,-Euro/Monat) ausüben!

Gründe für das Arbeiten als Rentner

Es gibt aber trotz dieser gesetzlichen Möglichkeiten verschiedene Gründe, warum immer mehr ältere Menschen erst in den Ruhestand gehen, dann aber wieder arbeiten. Hauptsächlich liegt es am Wunsch, den gewohnten Lebensstandard halten zu können, was nur mit der staatlichen Rente nicht geht. Andere wissen mit ihrer neu gewonnenen freien Zeit nicht recht etwas anzufangen oder fühlen sich zu jung für das Rentnerleben. Auch viele Unternehmen schätzen die Erfahrung langjähriger Mitarbeiter und greifen auf Silver-Ager mit ihrem Know-how zurück. Sie beschäftigen die in Rente gegangenen Senioren zum Beispiel in Ferienzeiten, wenn jüngere Mitarbeiter ihren Urlaub nehmen, oder in Phasen erhöhten Arbeitsanfalls. In der Theorie klingt das einfach, praktisch sollten sich Interessenten aber über die Folgen vorab informieren.

Regelungen zum Zuverdienst zur Rente

Je nach Art der Rente darf nicht unbegrenzt hinzuverdient werden, wenn man keine Einbußen bei der Rente haben möchte. Seit 2017 gilt das Flexi-Rentengesetz, das folgende Regelungen beinhaltet: Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, darf unbegrenzt dazuverdienen, muss den Verdienst aber versteuern. Ein Rentner ist grundsätzlich von der Zahlung der Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung befreit. Er hat aber die Möglichkeit, freiwillig den Arbeitnehmeranteil an der Rentenversicherung zu zahlen, womit er seine Rente erhöhen kann. Wer seine Regelaltersrente sogar erst zu einem späteren Zeitpunkt in Anspruch nimmt, der bekommt für jeden Monat, den er weiter    arbeitet, einen Rentenzuschlag von 0,5 Prozent. Wer vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze kürzer tritt und in den Vorruhestand geht, ist praktisch beim Zusatzverdienst deutlich eingeschränkter. Tipp: Wer sich nicht sicher ist, ob es sinnvoll ist, vor oder während der Rentenzeit berufstätig zu sein, der sollte sich vorab beim Rentenversicherungsträger beraten lassen. So kann man langfristig eine finanzielle Überlassung vermeiden.

 

Anrechnung des 6.300 Euro übersteigenden Jahresverdienstes:
36.000 Euro - 6.300 Euro = 29.700 Euro
29.700 Euro : 12, = 2475 Euro, davon 40 % = 990 Euro (Kürzung des Rentenanspruchs)
1.250 Euro - 990 Euro = 260 Euro

 

Anrechnung des den Hinzuverdienstdeckel  übersteigenden Verdienstes:
260 Euro + 36.000 Euro : 12 = 3.260 Euro
3.260 Euro - 3.100 Euro = 160 Euro
260 Euro - 160 Euro = 100 Euro

 

Hinzuverdienst je nach Rente

Grundsätzlich muss man zwei Arten von Rente unterscheiden: sogenannte Altersvollrente und Teilrenten beziehungsweise Renten wegen Berufsunfähigkeit oder Erwerbsunfähigkeit. Wer vorzeitig unter Abschlägen in Rente geht, zählt ebenso dazu.
Die Altersvollrentner können unbegrenzt hinzuverdienen, ihre Rente wird nicht gekürzt. Alle anderen müssen mit einer Kürzung ihrer Rente rechnen. Wirkt sich der Hinzuverdienst auf die Weiterzahlung der Rente insofern aus, dass die Rente entweder nicht mehr oder nur als Teilrente gezahlt wird, kann sich daraus noch eine geänderte sozialversicherungsrechtliche Beurteilung ergeben. Aus diesen Gründen sollten Interessierte folgende Punkte zum Thema Hinzuverdienstgrenzen beachten und sich auch nach ihrer individuellen Hinzuverdienstgrenze bei ihrem Rententräger informieren:
- Haben Rentenbezieher die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht, besteht ein Rentenanspruch nur dann, wenn die Hinzuverdienstgrenze nicht überschritten wird.
- Übersteigt der Hinzuverdienst 6300 Euro (dieser Wert gilt bundesweit) jährlich nicht, wird die Rente weiterhin ungekürzt gezahlt. Liegt der Verdienst über diesem Grenzwert von 6300 Euro jährlich, dann wird die Rente gekürzt und als Teilrente gezahlt.

Auch bei einer Rente wegen Erwerbsminderung beträgt die Hinzuverdienstgrenze jährlich 6300 Euro. Hier ist jedoch besondere Vorsicht geboten, weil der Hinzuverdienst nur innerhalb des Restleistungsvermögens erzielt werden darf, also bei einer Rente wegen voller Erwerbsminderung als Beschäftigung von unter drei Stunden täglich und bei einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung als von täglich unter sechs Stunden.

Steuerregelungen für Rentner

Ein Aspekt, der oft vergessen wird, ist die Steuerpflicht. Alle Rentner sind einkommensteuerpflichtig (nach § 22 EstG) wie auch jeder Arbeitnehmer und Pensionär. Aufgrund der Höhe des steuerpflichtigen Anteils (Ertragsanteil), der je nach Rentenbeginn variiert und von der Rentenversicherung automatisch an das zuständige Finanzamt gemeldet wird, fällt aber für kleinere Renten keine Einkommensteuer an, sodass diese Rentner oft keine Steuererklärung abgeben müssen. Daher entsteht oft der Eindruck, dass Rente grundsätzlich steuerfrei ist, was ein Irrglaube ist. Da ein Hinzuverdienst zur Rente bei noch nicht Altersvollrentnern immer zu einer Kürzung der Rente führt, kann es passieren, dass diese durch die Belastung mit Einkommensteuer und Sozialabgaben in der Summe weniger Geld in der Tasche haben als ohne Job. Das verdeutlicht auch das folgende Rechenbeispiel: Ein Arbeitnehmer beantragt eine vorgezogene Altersrente. Er hat einen Rentenanspruch in Höhe von 1.250 Euro im Monat. Sein voraussichtlicher Jahresverdienst beträgt 36.000 Euro. Als höchstes beitragspflichtiges monatliches Durchschnittseinkommen der letzten 15 Kalenderjahre werden 3.100 Euro zugrunde gelegt.
Aufgrund des voraussichtlichen Hinzuverdienstes in Höhe von 36.000 Euro im Jahr beträgt die monatliche Altersteilrente 100 Euro. Nach Erreichen der Regelaltersgrenze ist neben einer Altersvollrente ein unbegrenzter Hinzuverdienst nach wie vor möglich.

Weitere Informationen zum Thema gibt es hier:

www.aok-business.de/fachthemen/sozialversicherungsrecht/beschaeftigung-aelterer-arbeitnehmer/altersteilzeit
www.aok-business.de/fachthemen/sozialversicherungsrecht/beschaeftigung-aelterer-arbeitnehmer/beschaeftigung-und-rentenbezug
www.aok-business.de/fachthemen/sozialversicherungsrecht/beschaeftigung-aelterer-arbeitnehmer/verwandte-themen/hinzuverdienstregelungen-seit-1-juli-2018/

A. Petersen © SeMa