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Wechseljahre – die besondere Zeit der Hormone

Wechseljahre – es wird viel über sie geredet, aber nicht jede Frau weiß genau, was in dieser Zeit in ihrem Körper passiert. Und warum bereiten die Wechseljahre vielen Frauen Probleme?

Das SeMa sprach mit Prof. Dr. Kai J. Bühling, der seit vielen Jahren die gynäkologische Hormonsprechstunde des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf leitet.

SeMa: Was passiert im Körper während der Wechseljahre?

Bühling: Die Eierstöcke verringern ihre Funktion. Manchmal bilden sich in diesem Zusammenhang auch Folikelzysten. Das sind mit Flüssigkeit gefüllte Eibläschen, die weiter wachsen, weil kein Eisprung stattfindet. Hierdurch entstehen hohe Hormonwerte, wodurch sich erhebliche Hormonschwankungen einstellen können. Diese wiederum wirken sich negativ auf den Organismus aus, z.B. auf das Temperaturzentrum im Gehirn. Dadurch kommen die typischen Hitzewallungen. Durchschnittlich haben Frauen im 52. Lebensjahr ihre letzte Regelblutung. Das Zeitfenster ist aber recht groß, so dass dieser Zeitpunkt plusminus fünf Jahre schwankt. Da die Beschwerden oft schon fünf Jahre vorher beginnen, ergibt sich da ein großer Zeitraum, in dem Frauen die Wechseljahre spüren.

SeMa: Hitzewallungen kennen viele Frauen während der Wechseljahre. Welche Symptome sind noch typisch?

Bühling: Durch den Östrogenmangel können auch Konzentrationsstörungen auftreten. Ebenso gibt es Hormonmangelsymptome z.B. in den Gelenken, Gelenk- und Muskelschmerzen, verminderte Leistungsfähigkeit, Scheidentrockenkeit und abnehmendes sexuelles Empfinden. Manche Frauen werden auch aggressiv, so dass der Partner den Anstoß gibt, zum Arzt zu gehen.

SeMa: Woran liegt es, dass manche Frauen große Probleme haben und bei anderen die Umstellung fast reibungslos passiert?

Bühling: Symptome verändern sich im Laufe der Wechseljahre. Manchmal beginnt es mit Hitzewallungen und Nachtschweiß und später tritt der Östrogenmangel deutlicher hervor. Die Intensität kann sehr unterschiedlich sein. Das hängt damit zusammen, dass jede Frau anders empfindet. Und es hängt auch davon ab, was die jeweilige Frau beispielsweise beruflich macht. Eine Fernsehansagerin würde die Hitzewallungen weniger akzeptieren, als eine Frau, die zu Hause arbeitet.

SeMa: Welche Behandlungen gibt es und mit welchen haben Sie gute Erfahrungen gemacht?

Bühling: Generell versucht der Frauenarzt, die Hormonschwankungen auf ein möglichst gleichbleibendes Niveau zu bekommen. Frauen, die noch ihre Blutung haben, kann man Medikamente geben, die die eigene Hormonproduktion unterdrücken. Frauen, die keine Blutung mehr haben, können auf verschiedene Weisen mit Hormonen versorgt werden.
Bei Hormonen, die als Tablette eingenommen werden, steigt das Schlaganfall- und Thromboserisiko. Bei Risikopatientinnen sollte man da lieber auf Hormonpflaster oder – gel zurückgreifen, da dieser Risikoanstieg bei über die Haut gegebenen Hormonen nicht zu sehen ist. Bei einer reinen Scheidentrockenheit können auch erst einmal lokale Substanzen eingesetzt werden.

SeMa: Gerade beim Thema Hormoneinnahme haben viele Frauen Angst vor Nebenwirkungen. Und das Thema „höheres Krebsrisiko“ geistert auch immer wieder duch die Presse. Was ist dran an diesen Folgen?

Bühling: Zur Behandlung gehört immer auch die Aufklärung über die entsprechenden Risiken. Das sind bei oraler Gabe von Östrogenen das erhöhte Thrombose- und Schlaganfallrisiko. Gestagene erhöhen das Risiko, Brustkrebs zu bekommen. Um die Relation dabei zu verstehen: Bei 1.000 Frauen, die man über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachtet, also vom 50. bis zum 60. Lebensjahr, bekommen statistisch gesehen 46 Frauen Brustkrebs. Gibt man länger als fünf Jahre Gestagene, erhöht es sich auf 52 bis 54 Fälle. Das Risiko ist also da, aber nicht so dramatisch, wie es oft scheint. Generell sollte man eine Hormontherapie immer mit Bedacht einsetzen.

Wechseljahre sind normal und gehören zum Alterungsprozess. Bei einigen Frauen gibt es aber Symptome, die schon einen Krankheitswert haben. Da ist es auch ratsam, sich als Frau in Behandlung zu begeben, weil man mit verschiedenen Methoden viel machen kann. Das müssen Ärzte ernst nehmen. Eine Hormonangst ist unbegründet, aber es muss eine gute Aufklärung geben.

SeMa: Können Frauen selbst etwas tun, um gut durch die Wechseljahre zu kommen?

Bühling: Es ist ratsam auf scharfe Nahrungsmittel zu verzichten, weil diese auch zu Hitzewallungen führen können. Wechselduschen werden von vielen Frauen als angenehm empfunden. Sport ist eine gute Sache, diesen kann man auch als sogenanntes „Hormon-Yoga“ durchführen, das speziell zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden entwickelt wurde.

SeMa: Danke für das Gespräch.     

S. Rosbiegal © SeMa