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Altersmedizin in Zeiten von Corona

Für uns alle stellt Corona eine große Belastung und Herausforderung dar. Aber wie sieht es in dieser Zeit im Krankenhaus aus? Wir sprachen mit Dr. Jochen Gehrke, dem Chefarzt der Geriatrie (Altersmedizin) der Asklepios Klinik Nord.

SeMa: Dr. Gehrke, jeden Februar findet seit vielen Jahren als gemeinsame Veranstaltung von Geriatrie und Gerontopsychiatrie das Symposium „Aktuelle Konzepte der Altersmedizin“ statt. Wie sieht es in diesem Jahr damit aus?

J. G.: Als PD Dr. Wollmer, Chefarzt der Gerontopsychiatrie, und ich unsere Besucher vor einem Jahr für den Februar 2021 einluden, hat niemand geahnt, dass Covid-19 nur wenige Wochen später die Welt beherrschen würde und dies bis heute tut. Derzeit fließt unsere ganze Kraft in die Versorgung der Patienten und die Aufrechterhaltung unserer geriatrischen stationären Abteilungen und der Tagesklinik. Zum ersten Mal seit 20 Jahren wird es in diesem Jahr daher leider kein Symposium zur Altersmedizin geben – auch weil eine Online-Veranstaltung nicht zur Diskussion stand, denn das Symposium lebt vom realen Austausch zwischen interessierten Laien und Fachpublikum. 2022 nehmen wir einen neuen Anlauf.

SeMa: Die letzten Monate waren sicherlich in dieser Hinsicht für Sie und Ihr Team besonders schwierig ...

J. G.: In der Tat. Jetzt in der Pandemie gilt es noch mehr, die Verantwortung für Mitarbeiter zu übernehmen und zugleich den Bedürfnissen unserer Patienten und deren Angehörigen gerecht zu werden. Die geriatrischen Patienten gehören ausnahmslos zur Hochrisikogruppe. Im ersten Lockdown mussten wir deshalb unsere geriatrische Tagesklinik schließen. Wir haben uns zudem entschlossen, die Anzahl der geriatrischen Betten auf das Nötigste zu reduzieren, um diese für Corona-Patienten freizuhalten. Unter einem strikten Hygieneregime konnten im Sommer die Kapazitäten der stationären Geriatrie wieder hochgefahren und einige Beschränkungen gelockert werden. Leider ist aus Gründen des Infektionsschutzes das Besuchen unserer Patienten derzeit nicht möglich. Gerade für ältere Patienten ist das hart. Meine Mitarbeiter versuchen, das bestmöglich aufzufangen und leisten Großartiges – trotz der zusätzlichen Belastungen durch die Pandemie.

SeMa: Was beschäftigt Sie gerade besonders?

J. G.: Im Februar ist das zehnjährige Jubiläum der Palliativeinheit unserer Abteilung, in der lebensbeendend erkrankte Menschen fürsorglich betreut werden. Natürlich wäre eine Feier im Moment ohnehin undenkbar, aber es ist auch die Anteilnahme am Schicksal der vielen Menschen, die an Covid-19 auf den Intensivstationen, in den Heimen oder in häuslicher Isolation ohne den Beistand ihrer Lieben von uns gehen müssen, die uns das Jubiläum nur in achtungsvoller Stille begehen lässt.

SeMa: Das ist verständlich. Gibt es in dieser schweren Zeit auch Positives zu berichten?

J. G.: Mit reduzierter Kapazität und unter Umsetzung eines ausgeweiteten Test-, Schutz- und Hygienekonzepts konnte unsere geriatrische Tagesklinik inzwischen wieder öffnen. Zudem gibt es in unserem Haus seit letzten Sommer eine Kooperation von Kardiologie und Geriatrie – die KardioGeriatrie. Hier wird der Patient vom ersten Tag an von Kardiologen und Geriatern gemeinschaftlich behandelt.

SeMa: Ein Projekt, das Vorbildcharakter haben könnte – auch für andere Kliniken ...

J. G.: Unbedingt. Prof. Dr. Ghanem, Chefarzt der Kardiologie, und ich sind zuversichtlich, dass das Pilotprojekt schon bald auch von anderen Krankenhäusern übernommen wird.

SeMa: Was möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

J. G.: Halten Sie durch! Halten Sie Abstand. Tragen Sie einen Mund-Nasen-Schutz. Meiden Sie Kontakte. Und lassen Sie sich impfen. Für sich selbst und für uns alle!     

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