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Keine Angst vor der Narkose

Es gibt kaum ein Verfahren in der Medizin, das so sicher ist wie die Narkose.

Dennoch: Jeder, bei dem eine Operation ansteht, hat ein ungutes Gefühl. Und gerade ältere Menschen machen sich häufig Sorgen.
Warum? Im Alter steigt das Risiko, dass eine Vollnarkose ein sogenanntes Delir auslösen kann.

 

(pi) Steht ein geplanter oder ungeplanter operativer Eingriff an – hierbei reicht das Spektrum von „kleinen“ Augenoperationen bis hin zu großen Bauch-, Gefäß- oder orthopädischen Operationen mit entsprechenden Risikofaktoren für Komplikationen während oder nach der Operation-, machen sich ältere Menschen oft Sorgen wegen der Narkose.

Kein Wunder: Häufig leiden ältere Patienten an einer Vielzahl relevanter Nebenerkrankungen, die das Ergebnis eines operativen Eingriffs ungünstig  beeinflussen können. Diese Begleiterkrankungen mögen im normalen Alltag gut kompensiert und von untergeordneter Bedeutung sein; unter der Belastung einer Operation können sie aber jederzeit aus dem Ruder laufen und zu Organstörungen führen. Betroffen sind hier insbesondere das Herz-und Kreislaufsystem, die Atmungsorgane, die Nierenfunktion sowie neurologische Funktionen. Hinzu kommt, dass ältere Menschen häufig verschiedenste Medikamente einnehmen müssen. „Aus diesen Gründen ist es unerlässlich, dass wir uns als Anästhesisten vor einer Operation einen genauen Eindruck vom allgemeinen Gesundheitsstatus unserer älterer Patienten verschaffen, um das am besten geeignete und sicherste Narkoseverfahren auszuwählen“, erklärt Dr. Daniel Hook, Chefarzt für Anästhesie an der Helios ENDO-Klinik Hamburg, einer Spezialklinik für Endoprothetik, Sportorthopädie und Wirbelsäulenchirurgie.

Regional oder lokal – so wirkt die Narkose

Viele chirurgische Eingriffe sind aufgrund ihrer Lokalisation oder Komplexität nur in Allgemeinanästhesie, also in Vollnarkose, möglich. Diese wird in aller Regel durch die intravenöse Injektion verschiedener Narkosemedikamente wie Schmerzmittel, Schlafmittel und muskelentspannende Mittel eingeleitet, und zwar so lange, bis die normalen Reflexe erloschen sind. Anschließend erfolgt eine Sicherung der Atemwege mittels eines Beatmungsschlauches, der über den Mund in die Luftröhre eingeführt wird. Alternativ kann eine sogenannte Kehlkopfmaske in den Rachenraum eingelegt werden. Während der Operation verabreicht der verantwortliche Anästhesist dann kontinuierlich intravenöse Medikamente oder inhalative Anästhetika, die der Atemluft beigemischt werden.

„Sämtliche heute verfügbaren Narkosemittel zeichnen sich durch extrem gute Steuerbarkeit und ein geringes Nebenwirkungspotenzial aus. So ist auch bei älteren Menschen eine schonende Vollnarkose problemlos durchführbar“, so der erfahrene Anästhesist und Chefarzt Dr. Daniel Hook.

Regionalanästhesie

Doch eine Vollnarkose ist gar nicht immer nötig. Alternativ steht für Eingriffe „unterhalb des Bauchnabels“ die Spinalanästhesie zur Verfügung. Hier wird durch Einspritzen eines örtlichen Betäubungsmittels in den Rückenmarkskanal in Höhe der Lendenwirbelsäule die untere Körperhälfte für einen Zeitraum von zwei bis vier Stunden sowohl sensibel als auch motorisch ausgeschaltet. Die Schmerzleitung ist komplett blockiert, und durch eine ausgeprägte Muskelerschlaffung werden gute Operationsbedingungen geschaffen. Wenn die Patienten es wünschen, kann der Anästhesist zusätzlich Beruhigungsmittel verabreichen und/oder entspannende Musik über Kopfhörer einspielen, sodass die Operation in einem sehr entspannten Zustand verläuft.

„Die Spinalanästhesie ist besonders geeignet für Menschen mit Lungenerkrankungen oder ältere Patienten, bei denen nach der Operation mit Unruhezuständen gerechnet werden muss“, erklärt Dr. Daniel Hook. „In der ENDO-Klinik haben wir sehr gute Erfahrungen mit der Teilnarkose gemacht.“
Egal, ob eine Allgemein- oder Regionalanästhesie durchgeführt wird: Während der gesamten Operationsdauer ist immer ein Anästhesiearzt beim Patienten. Es erfolgt eine lückenlose Überwachung der Kreislaufparameter, der Sauerstoffversorgung und ggf. der Muskelentspannung und der Messung der Narkosetiefe.

Schmerztherapie

Besonders bei größeren orthopädischen oder bauchchirurgischen Eingriffen werden zur Schmerztherapie auch sogenannte Schmerzkatheter angelegt. Diese können in der Nähe des Rückenmarkskanales (Periduralkatheter) oder auch als periphere Nervenblockaden (Armplexus, Beinplexus) zur Verwendung kommen. In jedem Falle wird dies vor der Operation mit dem Patienten ausführlich erörtert.

Überwachung nach der Operation

Ältere Menschen sind in der ersten Zeit nach überstandener Operation durch Einschränkung der Organfunktionen gefährdet. Deshalb erfolgt je nach Größe des Eingriffs die Überwachung im Aufwachraum oder auf der Intensivstation. Hier kümmert sich speziell geschultes Personal unter Zuhilfenahme entsprechender Überwachungsgeräte um eine sichere Atmosphäre. Kreislauf, Atmung und Nierenfunktion, Bewusstseinslage, vegetative Symptome, Schmerzen sowie Allgemeinbefinden der Patienten werden regelmäßig kontrolliert.

Besonderes Augenmerk gilt dabei dem gefürchteten postoperativen Delir. „Ältere Menschen sind durch operationsbedingte Einflüsse besonders anfällig für Veränderungen der Hirnfunktionen“, so Dr. Hook. „Diese können sich durch Unruhe und Desorientiertheit oder auch in Form von Hypoaktivität manifestieren.“

In jedem Fall gilt es, den Patienten frühzeitig eine vertraute Atmosphäre zu schaffen. Hilfsmittel wie Brillen, Zahnprothesen oder Hörgeräte müssen so bald wie möglich wieder zur Verfügung gestellt werden; ein frisches Wassereis beugt Übelkeit und Erbrechen vor. Wichtig sind auch eine angepasste Schmerztherapie, die den älteren Menschen nicht zu sehr ruhig stellt, sowie der Verzicht auf nicht unbedingt notwendige Drainagen oder Katheter. Wenn möglich, sollte jeder Patient zudem am Operationstag aus dem Bett mobilisiert werden.

„Bis vor rund 30 Jahren galt jeder operative Patient über 65 Jahren als Risikopatient. Heute ist unter Beachtung der gültigen Sicherheitsstandards prinzipiell jeder ältere Mensch operabel“, erklärt Dr. Daniel Hook. „Verbesserte Operations- methoden, hohe Professionalität in der Anästhesie sowie engmaschige postoperative Überwachung und angepasste Schmerztherapie ermöglichen auch große chirurgische Eingriffe beim betagten Menschen.“

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