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Infizierte Prothesen: Keime im Kunstgelenk

(pi) Austauschoperationen bei Kunstgelenkinfektionen in nur einem einzigen chirurgischen Eingriff vorzunehmen ist eine Spezialität der Helios ENDO-Klinik. In einer Operation werden die alte Prothese und das infizierte Gewebe entfernt. In derselben Operation setzen die Ärzte eine neue Prothese ein. Seit fast einem halben Jahrhundert ist die ENDO-Klinik für diese Operationsmethode weltweit bekannt.

Die meisten Knie- und Hüftoperationen verlaufen erfolgreich. Aber nicht jede Implantation eines Kunstgelenkes geht glatt. Bei rund 7.000 Patienten jährlich breiten sich nach einer Operation Bakterien im Gelenk aus. Tückische Keime, die die Arbeit der Chirurgen nach einer Knie- oder Hüftoperation zunichtemachen: Ist das Gelenk erst einmal mit Keimen infiziert, zerstört die Entzündung das Knochengewebe und die umgebenden Weichteile. Nur mit Antibiotika lassen sich die Keime nicht bezwingen. Das Kunstgelenk muss in den meisten Fällen in einer sehr aufwändigen Operation durch ein neues ersetzt werden.

Weltweit gibt es nur sehr wenige Spezialisten, die diese schwierige Operation in hoher Zahl durchführen. Um die Patienten, die nach dem Einbau künstlicher Gelenke mit Fieber, Schmerzen und nässenden Wunden

zu kämpfen haben, kümmern sich in der ENDO-Klinik fünf Experten der septischen Chirurgie. Krankenhäuser aus der ganzen Welt schicken für diesen Eingriff ihre Patienten in die ENDO-Klinik nach Hamburg. „Mehr als 450 Patienten mit infizierten Kunstgelenken behandeln wir pro Jahr“, so Dr. Volker Jonen, Leitender Arzt für Gelenkchirurgie. „Damit ist die ENDO-Klinik weltweit führend bei der Behandlung solcher Fälle.“

Neben der medizinischen Expertise der fünf Ärzte ist auch das medizinische Verfahren, das der ENDO-Gründervater, Prof. Dr. Buchholz, bereits in den 1970er Jahren entwickelt hat, einzigartig: der einzeitige Wechsel. Im Gegensatz zu anderen Kliniken, die die Behandlung durch zwei oder mehr Operationen (zweizeitiger Wechsel) vornehmen, wird in Hamburg in einer einzigen Operation die Infektion behandelt und ein neues Gelenk eingesetzt. „Dabei wird den Patienten das infizierte künstliche Gelenk entfernt und durch die Zugabe von antibiotikahaltigem Knochenzement sofort ein neues Gelenk implantiert“, erklärt  Dr. Jonen das Verfahren. Die Art des Antibiotika-Mixes wird dabei entsprechend der Krankenvorgeschichte des Patienten und seines mikrobiologischen Untersuchungsergebnisses sowie seiner Begleiterkrankungen und möglicher Allergien angepasst. Nach den Ergebnissen der vorangehenden Punktion des infizierten Gelenkes und anschließenden Untersuchung der Gelenkflüssigkeit wird dann individuell für jeden Patienten die genaue Zusammensetzung der Antibiotika festgelegt, die in den Knochenzement gemischt werden.

Für die Patienten der ENDO-Klinik bietet der einzeitige Wechsel im Vergleich zum zweizeitigen Wechsel nur Vorteile: „Der Patient muss nur einmal ins Krankenhaus und muss nur einmal narkotisiert und operiert werden“, erklärt Dr. Volker Jonen. „Außerdem sind unsere Patienten schon nach wenigen Tagen wieder auf den Beinen und müssen nicht wie beim zweizeitigen Wechsel wochenlang hilfs- oder sogar pflegebedürftig mit einer Platzhalterprothese leben. Auch die Dauer der Antibiotikaeinnahme ist im Vergleich zum zweizeitigen Wechsel stark verkürzt.“ Und noch ein Vorteil: Die Komplikationsrate ist durch die Vermeidung mehrerer Operationen niedriger als beim zweizeitigen Wechsel.