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Checken Sie Ihre Schilddrüse!

Frieren im Sommer und Schwitzen im Winter? Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Volker Fendrich.

Prof. Dr. Volker Fendrich

1994-2000 Studium der Humanmedizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
2001-2007 Facharztausbildung Chirurgie, 2012 Zusatzbezeichnung Spezielle Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Marburg, dort dann von 2012-2017 stellv. Klinikdirektor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Seit 2017 Chefarzt der Klinik für Endokrine Chirurgie, Schön Klinik Hamburg Eilbek.

Fit bleiben im Alter ist nicht nur eine Frage des Herzens oder der Knochen. Auch die auf den ersten Blick vielleicht eher „unwichtigen“ Organe sind ein elementarer Bestandteil einer guten Gesundheit. Die Schilddrüse ist hierfür ein geradezu klassisches Beispiel: Eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann gerade im Alter eine entscheidende Rolle spielen.
Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das sich unterhalb des Kehlkopfes an die Luftröhre schmiegt. Die Schilddrüse produziert die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Diese werden ins Blut abgegeben, wobei ein in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildetes Hormon mit Namen TSH diesen Vorgang reguliert.
Die Schilddrüsenhormone beeinflussen neben Stoffwechsel, Kreislauf und Wachstum auch unser psychisches Wohlbefinden. Die gerade im Seniorenalter häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse sind die Über- bzw. Unterfunktion.

Schilddrüsenunterfunkion

Was genau ist das „Hashimoto-Syndrom“?

Hierbei handelt es sich um die häufigste Form einer Schilddrüsenunterfunktion, abgesehen von der Situation nach einer chirurgischen Entfernung der Schilddrüse. Bei der Hashimoto Thyreoiditis kommt es durch eine Autoimmunerkrankung zu einer vollständigen Zerstörung der Schilddrüse mit einer ausgeprägten Unterfunktion. Jeder Zehnte der Gesamtbevölkerung weist diese häufige Erkrankung auf. Frauen sind 10- bis 20-mal häufiger betroffen als Männer.

Welche Auswirkungen hat das Syndrom auf den Körper?

Zu Beginn der Erkrankung kann es aufgrund einer Fehlregulation im zerstörten Schilddrüsengewebe auch zu Phasen einer Überfunktion kommen. Durch die zunehmende Zerstörung von Schilddrüsengewebe kommt es im Verlauf der Krankheit fast immer zu einer Schilddrüsenunterfunktion mit den entsprechenden Symptomen.

Was sind die Symptome?

Die typischen Symptome sind alle Zeichen einer Schilddrüsenunterfunktion, vor allem Müdigkeit, Depression, aber auch verminderte Schweißneigung, vermehrtes Frieren auch im Sommer und in geheizten Räumen und meist eine deutliche Gewichtszunahme. Gerade auch sportlich aktive Senioren können sich beim ersten Auftreten der Hashimoto-Erkrankung nicht erklären, warum sie auf einmal die persönliche Leistung nicht mehr erbringen können.

Wie wird die Erkrankung festgestellt?

Einen ersten Anhaltspunkt für die aktuelle Hormonsituation im Körper liefert der sogenannte TSH-Wert. TSH (Thyroidea-Stimulierendes Hormon) ist ein Hormon aus der Hirnanhangsdrüse, das die Schilddrüse zu mehr Leistung antreibt. Sinken die Schilddrüsenhormonwerte, kurbelt der Körper die TSH-Produktion an. Ein erhöhter TSH-Wert deutet demnach auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hin. Im Blut finden sich bei etwa 90 Prozent der Patienten Antikörper gegen ein Schilddrüsenenzym, das zur Hormonproduktion dient (sogenannte TPO-Antikörper). Erhöhte Werte deuten auf die Hashimoto-Erkrankung hin. Die Antikörper können in seltenen Fällen jedoch auch fehlen.
Mit einer Ultraschalluntersuchung überprüft der Arzt Struktur und Größe der Schilddrüse. Er sieht bei der Hashimoto-Thyreoiditis typischerweise Zeichen der Entzündung.

Therapie

Die Unterfunktion der Schilddrüse wird mit der Gabe von Schilddrüsenhormonen behandelt. Dadurch kann die Unterfunktion immer gut und recht einfach behandelt werden.

Schilddrüsenunterfunktion – kurz zusammengefasst
•    Eine Unterfunktion liegt vor, wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone bildet – medizinisch Hypothyreose genannt.
•    Die Hauptursachen sind ein Hashimoto-Thyreoiditis und die Entfernung der Schilddrüse,
•    Die Symptome sind vielfältig: Müdigkeit, Depression, Gewichtszunahme, übermäßiges Frieren.
•    Anhand einer Blutentnahme (TSH-Wert) sowie weiteren Untersuchungen lässt sich eine Unterfunktion leicht erkennen.
•    Die Unterfunktion wird mit der Gabe von Schilddrüsenhormonen behandelt.

Schilddrüsenüberfunkion

Woher kann die Überfunktion kommen?

Produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, liegt eine Überfunktion (Hyperthyreose) vor. Steckt ein Jodmangel hinter der Überfunktion, ist die vergrößerte Schilddrüse häufig als Vorwölbung im Halsbereich zu sehen. Umgangssprachlich wird dies als Kropf oder Struma bezeichnet. Auch hier sind überwiegend Frauen betroffen.
Die Ursachen sind zwar vielfältig, doch mehr als 90 Prozent der Überfunktionen werden durch einen Morbus Basedow oder durch eine Autonomie verursacht.

Morbus Basedow

Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Aus unbekannten Gründen werden vom Körper Antikörper gegen die eigene Schilddrüse gebildet. Dadurch kommt es zu einer gesteigerten Produktion von Schilddrüsenhormonen.

Autonomie

Einzelne Knoten der Schilddrüse oder das gesamte Schilddrüsengewebe bilden selbstständig zu viele Hormone. Die sogenannten autonomen Areale unterliegen damit nicht mehr der Steuerung durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Das kann zu einer Überfunktion führen. Es kann aber auch eine Zeitlang noch der Hormonspiegel im Lot gehalten werden. Nehmen Betroffene dann aber über einen längeren Zeitraum zu viel Jod (z.B. durch jodhaltige Kontrastmittel bei einer Computertomografie), kann dies dazu führen, dass die autonomen Areale und Knoten plötzlich zu viel Schilddrüsenhormone abgeben. Typisch ist, dass sich autonome Knoten bei der Szintigrafie-Untersuchung – einem bildgebenden Verfahren, das Auskünfte über die Aktivität des Schilddrüsengewebes geben kann – sehr aktiv zeigen (sogenannte „heiße Knoten“).

Was sind die Symptome?

Die typischen Symptome sind alle Zeichen einer Schilddrüsenüberfunktion vor allem Herzrasen, Herzinsuffizienz, enormer Gewichtsverlust aber auch vermehrte Schweißneigung, vermehrtes Schwitzen auch im Winter und in ungeheizten Räumen. Gerade auch aktive ältere Menschen können sich beim ersten Auftreten der Erkrankung nicht erklären warum sie auf einmal die persönliche Leistung nicht mehr erbringen können.

Diagnose

Durch eine einfache Blutentnahme kann die Funktion der Schilddrüse untersucht und gemessen werden. Zusätzlich werden auch eine Ultraschalluntersuchung und eine Szintigrafie der Schilddrüse durchgeführt.

Therapie

Bei einer Überfunktion muss der Hormonhaushalt wieder ins Reine gebracht werden.
Erster Schritt: Schilddrüsenblocker einnehmen
Die Einnahme von Schilddrüsenblockern (Thyreostatika) ist die bei der Schilddrüsenüberfunktion übliche anfängliche Behandlung. Häufig angewendete Wirkstoffe sind Carbimazol, Methimazol und Propylthiouracil. Haben sich durch die Medikamente die Hormonwerte wieder normalisiert, kommen für die abschließende Heilung eine Radiojodtherapie oder eine Operation infrage.

Radiojodtherapie

Bei der Radiojodtherapie wird das hormonbildende Gewebe durch radioaktive Strahlung zerstört. Denn solche Zellen nehmen vermehrt radioaktives Jod auf. Hierfür wird dem Patienten radioaktives Jod verabreicht. Beim Morbus Basedow sind davon alle Zellen betroffen. Bei der Autonomie werden vor allem die erkrankten knotigen Bereiche der Schilddrüse vom Radiojod getroffen. Da Betroffene während der Radiojodtherapie auch selbst radioaktives Jod ausscheiden, werden sie für drei bis fünf Tage in speziellen Abteilungen (Nuklearmedizin) der Krankenhäuser isoliert untergebracht. Die Erfolgsrate ist recht hoch, allerdings ist der Wirkungseintritt verzögert. Zudem kommt es häufig zu einer Schilddrüsenunterfunktion, die auch noch Jahre nach der Behandlung auftreten kann.

Schilddrüsenoperation

Eine Operation wird in Erwägung gezogen, wenn die vergrößerte Schilddrüse auf die Luftröhre drückt oder wenn zahlreiche Knoten mit erhöhter Hormonproduktion nachgewiesen wurden. Auch beim Verdacht auf einen bösartigen Tumor wird die Schilddrüse durch eine Operation entfernt. Dies sollte unbedingt in einem hochspezialisierten Zentrum geschehen, da dort die Komplikationsraten am niedrigsten sind. Eine Verletzung des Stimmbandnervs tritt dort nur in 0,6-0,9% der Fälle auf.

Schilddrüsenüberfunktion – kurz zusammengefasst

•    Eine Überfunktion liegt vor, wenn die Schilddrüse zu viele Hormone bildet – medizinisch Hyperthyreose genannt
•    Die Hauptursachen sind ein Morbus Basedow, eine sogenannte Autonomie sowie Jodgabe
•    Die Symptome sind vielfältig: Ruhelosigkeit, Zittern, Herzrasen, Gewichtsverlust, übermäßiges Schwitzen
•    Anhand einer Blutentnahme (TSH-Wert) sowie weiteren Untersuchungen lässt sich eine Überfunktion leicht erkennen
•    Die Überfunktion wird mit Medikamenten, durch Gabe von radioaktivem Jod und/oder eine Operation behandelt

Haben Sie Fragen? Dann schreiben Sie Prof. Dr. Volker Fen-drich unter: vfendrich@schoen-kliniken.de oder rufen Sie uns einfach an unter: 040/720 92 -7101.