Schrift ändern:AAA

WALTER PLATHE als Monsieur Pierre im Winterhuder Fährhaus

Der in Paris lebende Rentner Pierre lebt seit dem Tod seiner Frau zurückgezogen in seiner Wohnung, die er Jahre schon nicht verlassen hat. Sein Leben ist leer ohne seine Frau. Er trinkt gern Chardonnay-Wein und kümmert sich wenig um sein Aussehen. Um ihn aus seiner Isolation zu holen, schenkt seine Tochter Sylvie ihm einen Computer inklusive Erklärungsstunden von einem jungen Mann. Die Schauspielerin Manon Straché überredet ihn als seine fürsorgliche Tochter, sich doch mit dem Internet zu beschäftigen, was am Anfang bei ihm auf taube Ohren stößt. Die erste Reaktion von Monsieur Pierre ist, den Laptop in den Kühlschrank zu verfrachten. Der 74-Jährige steht auf Kriegsfuß mit dieser neuartigen Technik. „Was soll ich mit der Maus machen? Welche „Brause“ soll ich öffnen? Und welches Fenster öffnen, das Küchenfenster? Und, dass dieses Menü nichts mit Essen zutun hat, werde ich vielleicht später mal verstehen“, sind seine ersten Worte zur Gebrauchsanweisung. Später merkt er, dass das Internet ein Teufelswerk ist und man mit 1.000 Frauen in Verbindung treten kann, ohne aus dem Haus zu gehen. Er spürt nach langer Zeit wieder Lebendigkeit und seine Lebensfreude kehrt zurück. Der Rentner sucht im Internet nach einer Frau, die es liebt, das Unbekannte zu erforschen. Die Theaterbesucher können ihn in dieser sehr amüsanten  französischen Komödie auf seinem Weg in die Zukunft begleiten.

Publikumsliebling Walter Plathe spielt diesen Monsieur  anfangs griesgrämig, dann aber feinfühlig, humorvoll, fast schon zerbrechlich. Vor allem aber liebevoll und einfühlsam. Er zieht alle Register seiner Schauspielkunst. Das gesamte Ensemble bringt viel Spielfreude mit. Der lang anhaltende Applaus nach der Schlussszene ist der Dank des Publikums für diesen schönen Theaterabend.

Wir trafen Manon Straché, die die Tochter von Monsieur Pierre spielt, zu einem Interview.  

SeMa: Warum sollen Theaterliebhaber sich dieses Stücke ansehen?
Es ist in der heutigen lauten, schnellen, empatielosen Zeit ein kleines Aufatmen oder Innehalten, um sich mal wieder auf die kleinste Zelle der Gesellschaft zu besinnen, die Familie. Aber auch die komischen Momente der Verwechslung bescheren dem Publikum einen zauberhaften Theaterabend. Wer den feinen Humor mag, sollte sich das Stück ansehen.

SeMa: Als Sie diese Rolle der Sylvie angeboten bekamen, sagten Sie sofort zu?

Ich hatte mir den gleichnamigen Film angesehen, der schon in vielen Ländern erfolgreich lief, und konnte somit auch die Rolle der Tochter beobachten. Als dann der  Regisseur Volker Braband dieses Stück für das Theater schrieb und es mir zum Lesen gab, sagte ich sofort zu.

SeMa: Walter Plathe lehnt in seiner Rolle als Monsieur Pierre zuerst das Internet ab, lernt aber dann den Umgang damit und findet Freude daran. Sind Sie der Meinung, dass sich ältere Menschen mit dem Computer beschäftigen sollten?

Ja, gerade ältere, da sie viel Lebenserfahrungen haben und mit diesen Netzwerken umgehen können. Ich denke, dass ältere Menschen, die soziale Kontakte haben, sich damit beschäftigen sollten. Man muss sich damit auseinandersetzen und nicht vor dem Fortschritt die Augen verschließen. Ältere Menschen sollten sich daran wagen, um dann für sich zu entscheiden, mach ich da mit oder nicht. Die sozialen Medien haben Vorteile, aber auch viele Nachteile. Für einsame Menschen könnte es allerdings gefährlich werden, da sie dadurch noch mehr vereinsamen.

SeMa: Pierre verliebt sich im Rentenalter in eine Internet-Bekanntschaft. Glauben Sie, dass Liebe auch im Alter noch mal entflammen kann?

Auf jeden Fall. Liebe ist ja nicht nur eine Sache der Hormone. Im Laufe des Lebens bekommen die Liebe und die Partnerschaft auch eine andere Qualität. Man legt die Prioritäten anders fest. Aber Sex im Alter spielt doch auch noch eine große Rolle, obwohl es in der Gesellschaft ein Tabuthema ist. Liebe hört sowieso nicht auf. Daran glaube ich fest. Ich finde auch so toll an diesem Stück, dass ein Mann, der sich schon aufgegeben hatte, weil seine Frau verstorben ist, sich noch einmal auf den Weg macht, wieder auf seine Kleidung zu achten und endlich auch seine Wohnung verlässt. Er entwickelt auch seine Fantasie wieder – über die Sprache – mit Schwindeleien und auch Spinnereien. Dass er durch eine neue Liebe seine Seelenverwandte findet, ist doch fantastisch.

SeMa: Sie haben über zehn Jahre auch in Hamburg gelebt, kennen unsere Stadt. Haben Sie Lieblingsecken, die Sie in Ihrer Freizeit aufsuchen?

Ich gehe jeden zweiten Tag ins Holthusenbad, das ist mein absolutes Lieblingsbad. Dienstags gehe ich auf den Isemarkt  und auf jeden Fall steht ein Besuch im Tierpark Hagenbeck an. Ansonsten finde die Gegend um die Komödie Winterhuder Fährhaus so entzückend, dass es mir Freude bereitet, hier einzukaufen. Ich kenne viele Verkäufer in den Geschäften, die mich schon begrüßten. Es ist für mich wie nach Hause zu kommen.        

Spielzeit bis 23. Februar – Kartenbestellung unter: Tel.: (040) 480 68 08.

 

Marion Schröder © SeMa