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Kino: Mitgefühl – Pflege neu denken

Über die Kraft der Zugehörigkeit

Startet am 23. September im Kino: „Mitgefühl“ – Pflege neu denken (OT: „It Is Not Over Yet“ – 2021)

Am 23. September startet der dänische Dokumentarfilm „Mitgefühl – Pflege neu denken“ in den deutschen Kinos. In ihrem einfühlsamen Dokumentarfilm stellt Regisseurin Louise Detlefsen am Beispiel eines einzigartigen Pflegeheims und dessen Bewohnern ein revolutionäres, mutmachendes Langzeitpflegekonzept vor, das sich mit den brandaktuellen Fragen befasst, wie wir leben, altern und sterben wollen und was wir uns für unsere Angehörigen wünschen.

„Mitgefühl“ gewährt einen warmherzigen wie inspirierenden Blick in den Alltag von Menschen mit Demenz und in eine Welt, in der die Kraft menschlicher Nähe kleine Wunder zu bewirken vermag. Ein Plädoyer für ein würdevolles und glückliches Lebensende. 

SeMa: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Film zu diesem Thema zu drehen? Warum hat Sie das Thema „Leben mit Demenz“ interessiert?

Louise Detlefsen: Ich hatte mir nie vorstellen können, darüber einen Dokumentarfilm zu machen, bis ich über ein Radiointerview mit May Bjerre Eiby (Gründerin des Altersheims Dagmarsminde, Anm. der Red.) stolperte. Ihre Gedanken über Demenz berührten mich sehr. Zum ersten Mal hörte ich jemanden über Freude und Spaß und ein gutes Leben mit Demenz sprechen, und ich fand, dass die Art und Weise, wie sie Gemeinschaft nutzen, ein Thema widerspiegelt, das sich durch meine ganze Arbeit zieht. Ein Thema über die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft und die Kraft, die sie uns als Menschen gibt.

Regisseurin
Louise Detlefsen
Foto: Marie Hald/Weltkino

SeMa: „Mitgefühl“ ist ein Dokumentarfilm. Wie waren die Dreharbeiten? War es schwierig, in einer solchen Einrichtung zu drehen, ohne den Alltag der Angehörigen und Pflegenden zu verändern oder zu beeinflussen?

Louise Detlefsen: Es war ganz anders als alles, was ich je gefilmt habe. Natürlich haben uns die Bewohner von Tag zu Tag und auch von Stunde zu Stunde oder Moment zu Moment vergessen, sodass ich und der Kameramann täglich mehrmals wiederholen mussten, wer wir waren und, dass wir einen Dokumentarfilm über den Ort machten.

Da wir von Anfang an so einen guten Zugang bekommen und viel Zeit genutzt haben, um die Angehörigen zu besuchen und den Pflegenden unsere Absichten zu erklären, haben wir uns in Dagmarsminde sehr angenommen gefühlt. Wir aßen oft zusammen zu Mittag und setzten uns viele Male hin und unterhielten uns, als ob wir nur zu Besuch wären.
In Bezug auf die Regie war es fast unmöglich, Szenen zu planen oder zu inszenieren, wie ich es normalerweise tue. Aber es war auch ein großer Spaß, sehr intuitiv zu arbeiten. In Bezug auf die Beeinflussung ihres Alltags arbeiteten wir als kleine Einheit, bestehend aus mir und dem Kameramann.

SeMa: Wollten Sie es vermeiden, eine Art Werbefilm oder Imagefilm für die Einrichtung zu drehen?

In einem schweren Moment kümmert sich Grethe für-
sorglich um Lotte. Foto: Per Fredrik Skiöld/Weltkino

Louise Detlefsen: Ja, das war beim ersten Kontakt mit May Bjerre Eiby absolut klar. Natürlich war ich neugierig und fasziniert von ihrer besonderen Mitgefühlsbehandlung, dem Ausstieg aus der Medizin und dem ganzheitlichen Ansatz in der Behandlung von Menschen mit Demenz. Aber ich wollte das Leben bei Dagmarsminde, die Persönlichkeiten und das Leben der Neuankömmlinge untersuchen und meine Erfahrung in meinem Film reflektieren. Ich brauchte also absolute künstlerische Freiheit, um zu drehen, was ich wollte, und Dagmarsminde so zu präsentieren, wie ich es für richtig hielt. Also drehten wir auch während des Sterbeprozesses oder wenn sich Demenz durch Frustration und Aggression zeigt.

SeMa: Wenn Ihre Eltern jemals in der Situation wären, in ein Pflegeheim einziehen zu wollen oder zu müssen ... würden Sie sich um einen Platz bei Dagmarsminde bewerben? (Die Warteliste ist sicher lang ...?)

Louise Detlefsen: Oh ja, kein Zweifel! Und ja, die Warteliste ist lang, aber das Erstaunliche daran ist, dass Dagmarsminde, auch wenn es von May Bjerre Eiby gegründet und privat geführt wird, ein Altersheim wie jedes andere in Dänemark ist. So können alle älteren Menschen mit schweren Demenzproblemen den Einzug beantragen, und es kostet nicht mehr als andere Altersheime in der gleichen Gegend. Ich würde mir wünschen, dass meine Mutter dort einzieht, sollte sie an Demenz leiden und Pflege brauchen. Aber darüber hinaus wünsche ich mir, dass Dagmarsminde und die von May Bjerre Eiby entwickelte mitfühlende Behandlung sowie die Liebe, der Respekt und die „Hygge“, die bei Dagmarsminde existieren, andere Altersheime dazu zu inspirieren, dasselbe zu tun.

Fazit: Ein Plädoyer für ein würdevolles und glückliches Lebensende              

 

Corinna Chateaubourg © SeMa

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