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Freddy Quinn

Eine Legende wird 90 – sein Lebenswerk ist in guten Händen

Anzug aus „Heimweh nach St.Pauli“.

Am 27.9. feiert der „Junge von St. Pauli“ seinen 90. Geburtstag. Er stand Jahrzehnte auf den Brettern, die auch für ihn die Welt bedeuteten. Mit seinen Liedern, wie ,,Junge komm bald wieder“, ,,Heimatlos“, ,,Die Gitarre und das Meer“, ,,Brennend heißer Wüstensand“ oder ,,La Paloma“, berührte er die Herzen der Menschen. Er ist einer der beliebtesten Sänger und Schauspieler unserer Zeit. Seine Tonträger verkauften sich millionenfach. Unzählige Menschen haben in seinen Filmen mit ihm gelitten und sich gefreut. 98 Prozent aller Deutschen kennen seinen Namen.

Freddy Quinn im Operettenhaus 1984 als Johnny  Kröger in „Große Freiheit“.

Schon vor ein paar Jahren zog sich der gebürtige Wiener aus der Öffentlichkeit zurück. Man weiß aber, dass es ihm gut geht und er sein Leben genießt. ,,Von Geburtstagsgratulationen bitte ich abzusehen“, ließ er durch einen Freund verkünden. Er möchte auch keine Interviews mehr geben. Wir respektieren natürlich seinen Wunsch, sind aber auch froh, eines der letzten Interviews mit ihm geführt zu haben.  

Bei unserem Gespräch erklärte er, dass er zwei Heimatstädte habe. Hamburg, weil er hier gezeugt wurde und diese Stadt seit vielen Jahren seine Heimat ist, und Wien, da er dort auf die Welt kam und 14 Jahre seiner Kindheit verbrachte. Er fügte aber hinzu, dass sein Herz für die ganze Welt schlägt, da er Kosmopolit sei. Er erzählte von seinem Talisman, einem Buddha, den er immer bei sich trage. Weiter ließ er uns wissen, dass er privat oft klassische Musik höre, dass er gern alte Uhren repariere und, dass er als Waagegeborener harmoniesüchtig sei. Auf die Frage, ob er sich Gedanken über seinen Lebensabend mache, antwortete er: ,,Ich lebe heute und plane nichts. Der dort oben wird mich abrufen, wenn er es für nötig hält.“

Ehepaar Klinger in seinem Museum in Wien.

Noch hält er es nicht für nötig. Ab und zu ist in den Zeitschriften zu lesen, dass der Entertainer Rosi, seine Bekannte,  heiraten möchte. Ob das stimmt, wissen nur die beiden.

Freddy Quinn ist auch sehr erfreut, dass sein berufliches Werk in einem Museum in Wien mit viel Liebe und Fürsorge behütet und in Ehren gehalten wird. Das Ehepaar Brigitta und Eduard Klinger sammelte alles von seinem Idol, was sie in fast 60 Jahren entdecken konnten oder ihnen angeboten wurde. Brigitta Klinger: ,,Ich wurde schon als 9-Jährige zum ersten Mal auf diesen Ausnahmekünstler aufmerksam. Meine Schwester brachte eine „BRAVO“ mit nach Hause.“ 1962 besuchte die frühere Lehrerin ihr erstes Freddy-Konzert in der Wiener Stadthalle. Es folgten viele Konzert-und Filmbesuche in ganz Europa. Durch die Liebe zu Freddy Quinn lernte sie ihren Mann Eduard kennen, der auch von dem Künstler begeistert war. Zum ersten Mal begegneten sie sich vor dem Wiener Konzerthaus, wo für Freddy ein roter Teppich ausgelegt war. Einige Jahre später heiratete das Paar, die Sammlungen wurden zusammengelegt und bis heute noch ständig ergänzt.

In ihrem Museum in Wien sind ca. 95 Prozent aller von dem Sänger und Schauspieler veröffentlichten Platten, Videos, Plakate, Autogrammkarten etc. Aber auch Bühnengarderobe, wie z. B. der gelbe Anzug, den Freddy bei seinen Auftritten auf dem Seil trug. Raritäten und Kuriositäten werden in Schaukästen hinter Glas ausgestellt.

Freddy Quinn fragte gern seine Fans, ob sie seine Visitenkarten erhalten möchten. Keiner sagte Nein. Freddy überreichte dann mit einem Schmunzeln eine kleine weiße Karte mit den Worten „meine Karte“. Er verteilte auch Streichhölzer ohne Schwefelköpfe mit dem Hinweis, dass diese für Nichtraucher seien. Auch der schwarze Pilotenkoffer, den er immer bei sich trug, ist im Museum ausgestellt. ,,In diesem Koffer sind meine Beweisstücke für die Fragen der Journalisten. Wenn ich z. B. nach einem Auftritt auf dem Hochseil gefragt werde, habe ich gleich ein Foto parat. Es sind auch mein Pass und alle Dokumente in diesem Koffer. Ich kann damit zeigen, dass ich nicht fünf verschiedene Namen habe, sondern wirklich Manfred Quinn heiße und dass mein Großvater ein irischer Staatsbürger war. Ein ganz wichtiges Dokument  sind die Notenblätter von dem Titel „Blue Spanish Eyes“, den Bert Kaempfert für mich schrieb“, erzählte Freddy Quinn voller Stolz in der MDR-Sendung Riverboat.

Freddy Quinn und Heidi Kabel.

Der Bilanzbuchhalter Eduard Klinger verriet uns, dass sein besonderes Juwel die erste Schallplatte von 1951 ist, die der Wiener für 3000 DM erwarb. Das Ehepaar Klinger verbrachte seine Freizeit immer auf  Flohmärkten und Tauschbörsen. Sie fuhren auch bis zu 2800 km, um eine Rarität zu erwerben. Sie sind glücklich und freuen sich über Besucher, denen sie das Leben und die außergewöhnlichen Leistungen ihres Idols in ihrem Museum näherbringen dürfen.  

Kontakt zum Ehepaar Klinger und ihrem Museum:
Freddy-Quinn-Archiv@chello.at und Telefon 0043-1-667 34 96        

 

Text + Fotos Marion Schröder © SeMa

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