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Fast am Ziel – 99 Umwege

Hanno Rinke nimmt uns mit auf Reisen ...

Hanno Rinke:
„Fast am Ziel –
99 Umwege“
Mitteldeutscher Verlag, ISBN 9783963113796,
20 Euro

Hanno Rinke kann zufrieden auf ein erfülltes Leben zurückschauen. Trotzdem – und von Abenteuerlust getrieben – fährt er aber noch einmal die Stationen seines Lebens ab. Genauer genommen, er lässt sich fahren – mal im Mercedes, mal im Rollstuhl. Zusammen mit Silke und Rafal, den Gefährten seines Alterns, reist Hanno sieben Wochen lang über 99 Umwege von seiner Heimatstadt Hamburg nach Apulien, seinem Sehnsuchtsort, und wieder zurück.

Das Buch „Fast am Ziel – 99 Umwege“ ist vom Layout und den grafischen Elementen sehr ansprechend und unkonventionell gestaltet. Das macht besonders Lust beim Lesen.

Mit viel Humor startet der Text mit der Vorstellung der Familienmitglieder. Wer das Buch liest, hat das Gefühl, ein guter Freund erzählt bei einem Glas Rotwein über sein Leben. Die Geschichten sind launig und scheinen einen ganz beschwingt in die Gegend und Zeit, um die es geht, zu entführen. Hanno Rinke provoziert beim Erzählen charmant – man kann mitgehen oder ablehnen, ist aber nie verärgert. Hanno Rinke wurde 1946 in Berlin geboren. Nach dem Abitur studierte er in Hamburg Jura und Komposition. Er arbeitete als Product Manager für Neuveröffentlichungen des Schall- plattenunternehmens "Deutsche Grammophon“ und leitete ab 1974 das Repertoire-Büro. Er war ab 1977 Produzent für Künstler wie u. a. Leonard Bernstein und Mstislav Rostropovich. 1988 wurde er Vice President für das Internationale Marketing aller Klassik-Labels. Er verließ 1993 das Unternehmen und arbeitet seither als Schriftsteller, Komponist und Regisseur.

SeMa: Die 99 Umwege in Ihrem Buch sind ja eigentlich 99 „lebenswichtige“ Ziele. Welche liegen Ihnen am meisten am Herzen?

Rinke: Neugier zu bewahren, das bedeutet, neue Eindrücke zu sammeln, um neue Erkenntnisse zu gewinnen – oder halt alte bestätigt zu sehen; die Bewegungsfähigkeit zu verbessern oder zumindest zu erhalten; der Gemeinschaft etwas zurückzugeben durch Anregungen und neue Sichtweisen: mal sentimental, mal komisch, mal provokant. Das muss sie aushalten können, die kunterbunte Gemeinschaft. Deshalb habe ich ihr meine Aufzeichnungen „Fast am Ziel“ auch zugeeignet. Ein Buch zum Lesen, zum Lernen oder einfach bloß zum Verschenken ...

SeMa: Was hat Sie bewogen, mit 47 Jahren in die Freiberuflichkeit zu wechseln?

Rinke: Der Wunsch, aus der Routine auszubrechen, durch den Beruf kaum geförderte Talente weiterzuentwickeln und die bewährten Talente in neuem Zusammenhang anzuwenden.

SeMa: Viele Menschen verlieren nach einem Schlaganfall ihre Lebensfreude und hadern mit ihrem Schicksal. Mir scheint, dass Ihre Lebensfreude ungebrochen ist. Wie haben Sie mit Ihren Einschränkungen zu leben gelernt?

Rinke: Ich war immer skeptisch. Das bewahrt vor Enttäuschungen. Ich musste mir Siege immer erkämpfen. Das stählt. Ich wusste, mein Leben ist nur dann sinnvoll, wenn ich ihm einen Sinn gebe. Daran arbeite ich, so gut ich kann. Bis zum letzten Augenblick.

SeMa: Nach dem Tod Ihrer Eltern haben Sie im Jahr 2005 die Guntram und Irene Rinke Stiftung gegründet, die den Umgang mit der deutschen Sprache fördert. Warum widmet sich die Stiftung diesem Thema?

Rinke: Im Beruf hatte ich mit klassischer Musik zu tun: einer Weltsprache, die nicht alle verstehen. Ich wollte mich für die „Wort“-Sprache einsetzen, weil ich weiß: Nur was ich sagen kann, kann ich denken, und nur was ich denken kann, kann ich einordnen. Nur so kann ich meine Lage erkennen, eventuell verändern und im privaten Bereich wie in der Politik die richtigen Entscheidungen treffen. Das zu sehen und sich dementsprechend zu verhalten, dazu wollen meine Stiftungskollegen und ich mehr Menschen, besonders junge Menschen, ermutigen. Corona hat eine neue Situation geschaffen. Das verlangt jetzt viel von uns allen: hören, bewerten, handeln. Aber schon vorher unterstützten wir den differenzierten Umgang mit Sprache als die Voraussetzung für differenziertes Denken. Aus diesem Grund geben wir Beispiele, auch mithilfe erfahrener Autoren, und wir verleihen Preise. Wir wissen ja: Anstrengung muss sich lohnen!

SeMa: Danke für das Gespräch.

 

Stephanie Rosbiegal © SeMa
Bilder: picture-alliance/dpa | Fotograf: Jörg Carstensen

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