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Die Ullmanns wandern von Rahlstedt bis zum Bodensee

Das Wandern ist der Ullmanns Lust! Wir glaubten unseren Ohren nicht zu trauen, als uns in der Redaktion der Anruf einer Leserin erreichte, die erklärte, dass sie mit ihrem Ehemann von Hamburg-Rahlstedt zum Bodensee wandern will …

… als die sehr jugendliche Stimme am Telefon dann ergänzte, dass sie inzwischen den 86. Geburtstag feiern konnte und ihr Mann den 82. wurden wir neugierig und besuchten das wanderfreudige Ehepaar Waltraut und Ulrich Ullmann in ihrem Haus in Hamburg-Rahlstedt zu einem Interview. Inzwischen sind die gelernte Sekretärin und der frühere Kaufmann unterwegs. Wir wünschen ihnen eine schöne, erlebnisreiche und interessante Zeit und gesunde Rückkehr Ende August.

SeMa: Wie kamen Sie auf diese Idee?

Herr Ullmann: Ich übergab vor Kurzem meine Firma an unsere Tochter und wollte nun nicht nur abends vor dem Fernseher sitzen. Ich bin froh, dass ich als Selbstständiger noch bis zu meinem 82. Lebensjahr arbeiten konnte und nicht mit 65 gehen musste. Es gibt viele Rentner, die keine tagesausfüllenden Hobbys haben, die gern noch weiterarbeiten würden. Sie wissen zuerst gar nicht, den Tag sinnvoll auszufüllen. Ich bekam jetzt Prospekte von meiner Frau über Reiseziele in Spanien, Indien, Afrika usw. Da wir viele Länder schon bereisten, schlug ich ihr vor, doch jetzt Deutschland zu erkunden, und zwar zu Fuß. Dass sie sofort Feuer und Flamme für diese Idee war, löste eine große Freude bei mir aus. Wir waren uns sofort einig, durch die Natur zu wandern, denn zu Fuß lernt man ein Land besser kennen als mit dem Auto. Wir erfuhren, dass es einen Europa-Wanderweg gibt, organisierten die Unterlagen und legten die Route fest.

SeMa: Wie viele Kilometer wollen Sie jeden Tag gehen?

Frau Ullmann: Wir planen täglich eine Strecke von 10 bis 18 Kilometern. Davon 5 bis 6 am Vormittag und nach der Mittagspause die restlichen Kilometer. Der erste Stop ist in einem Hotel in der Innenstadt, und der zweite wird bei meiner Schwester in Wilhelmsburg sein, die sich schon auf unseren Besuch freut. Ich habe letztes Jahr eine künstliche Hüfte bekommen, und nun ist alles in Ordnung. Mein Mann muss täglich diverse Medikamente nehmen, aber auch das ist kein Problem, die packen wir in den Rucksack. Wir sind optimistische Menschen und schaun nach vorn.

SeMa: Haben Sie Ihre Unterkünfte schon gebucht?

Herr Ullmann: Ich habe zehn Hotels im Voraus gebucht. Die anderen werden dann von der Strecke aus festgelegt. Wir haben uns natürlich welche im Internet angesehen, die wir eventuell ansteuern wollen. Da sind auch Jugendherbergen dabei.

SeMa: Wenn Sie jetzt drei Monate unterwegs sind, kann es auch ziemlich heiß werden. Haben Sie sich darüber Gedanken gemacht?

Frau Ullmann: Das macht uns nichts aus. Wir können Hitze vertragen. Wir stehen immer um 6 Uhr auf, wie wir es gewöhnt sind. Dann ist es noch nicht heiß. Wir wandern morgens und dann wieder so ab 15 Uhr.

SeMa: Wie haben Sie sich für diese Wanderung vorbereitet?

Herr Ullmann: Wir haben uns im dem Fachgeschäft für Expeditionen, Abenteuer und Wanderungen, Globetrotter, eingekleidet und fachlich optimal beraten lassen. Wir kauften dort zwei Rucksäcke, die Wanderschuhe und spezielle Kleidung aus schnell trocknenden Materialien. Meine Frau hat eigentlich Schuhgröße 37, sollte jetzt aber diese Wanderschuhe in Grüße 39 nehmen. Wir laufen schon seit drei Monaten durch unsere Gegend, um uns auch körperlich für diese errechneten circa 900 Kilometer fit zu machen. Wir haben die Liebe zu dem Laufen entdeckt. Auf der Generalkarte sind die Wege eingezeichnet, die wir dann gehen werden. Außerdem habe ich zur Unterstützung und eventuellen Hilfe auch das Smartphone dabei. Wir müssen auf das Gewicht achten.

Frau Ullmann: Ja, mein Rucksack sollte nicht mehr als 7 Kilo wiegen und der meines Mannes nicht über 8,5. Ich habe Kosmetik und andere Utensilien in kleinen Tuben zurechtgelegt. Wenn die aufgebraucht sind, können wir unterwegs Nachschub kaufen. Ich werde auf jeden Fall Knoblauchperlen, Omega-Öl, Vitamin B12 und Vitamin D einpacken, die wir schon 30 Jahre einnehmen. Mein Mann muss über den Tag verteilt 13 verschiedene Medikamente schlucken, die natürlich auch alle eingepackt werden. Wir sind ja inzwischen mit den Rucksäcken mit den angegebenen Kilogramm hier um die Häuser gelaufen um alles vorher zu testen. Wir sind auf allen Gebieten gewappnet.

SeMa: Haben Sie einen Talisman oder Schutzengel mit auf der Wanderung?

Frau Ullmann: Ja, sogar zwei. In erster Linie mein Mann und dann mein erster Sohn, der im Alter von 14 Jahren mit dem Fahrrad tödlich verunglückte. Er passt auf uns von oben auf. Für mich ist sowieso klar, dass das Leben weitergeht. Ich habe überhaupt keine Angst und weiß, dass uns überhaupt nichts Negatives passieren kann.

SeMa: Welche Erwartungen haben Sie an diese kommenden 3 Monate?

Herr Ullmann: Ich habe sehr große Erwartungen. In erster Linie Land und Leute kennenzulernen. Mit Menschen zu sprechen, die wir in den sechs Bundesländer treffen werden, die bestimmt alle unterschiedlich sind. Außerdem versprechen wir uns eine persönliche Fitness und somit auch unsere Gesundheit auf Jahre zu stärken. Ich möchte sowieso 100 Jahre alt werden. Wir freuen uns auf die Natur und die frische Luft. Vielleicht ist unser Vorhaben auch ein Ansporn für andere ältere Menschen. Wir haben jetzt schon große Begeisterungsstürme ausgelöst. Unsere Verwandten glauben es erst, wenn wir die ersten Kilometer hinter uns haben.

SeMa: Haben Sie Kinder und Enkelkinder? Wenn ja, was sagen die zu Ihren Plänen?

Frau Ullmann: Ja, wir haben Kinder und auch sechs Enkel, die sind begeistert von der Idee, dass Oma und Opa sich auf die Wanderschaft machen. Und auch unser Arzt gratulierte uns zu dieser Entscheidung.

Text Marion Schröder © SeMa, Fotos Marion Schröder und privat