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Das Erfolgsgeheimnis der Weltmarke Pompöös

Wir trafen Harald Glööckler bei der Eröffnung seines ersten Cafés Pompöös in Bad Dürkheim und seinen Partner Dieter Schroth zu einem Gespräch im Privathaus in Kirchheim an der Weinstraße. Während Harald Glööckler mit den letzten Vorbereitungen für die Eröffnung des ersten pompösen Cafés beschäftigt war und danach den Journalisten Rede und Antwort stand, war sein Partner nur 10 km entfernt im Haus, kümmerte sich um Hund Billy King und empfing uns zu einem Gespräch.

Dass Gegensätze sich anziehen, passt zu Harald Glööckler und seinem Partner 100%ig. Der 54-jährige Designer und Modemacher kocht gern, Dieter Schroth nicht. Harald Glööckler liebt Nudeln, Dieter Schroth, Kartoffeln. Mehrere Fernsehgeräte im Haus müssen sein. Denn da sich Herr Glööckler ab und zu auch mal Pilcher-Filme zum Abschalten ansieht, hängt das Herz von Herrn Schroth am Fußball. Er war in seiner Jugend Torwart der Mannschaft von Wormatia Worms und ist interessiert an jeder Sportveranstaltung, die das Fernsehen bietet.

Dieter Schroth ist die graue Eminenz im Hintergrund. Er kümmert sich um alle kaufmännischen Abläufe inkl. den Verträgen mit Lizenzpartnern. Er ist nicht nur privat der wichtigste Menschen im Leben des genialen Designers, sondern die zweite Hälfte der Firma Pompöös. Der Erfolg gebührt beiden. Der schillernde 54-jährige liebt die Öffentlichkeit, der dezent gekleidete 70-jährige inzwischen sein schönes Zuhause in seiner Heimat. Der Modemacher Harald Glööckler steht seit vielen Jahren im Mittelpunkt und im Fokus der Presse und des Fernsehens. Seine Popularität hat er sich erarbeitet durch viel Kreativität und Fleiß. Aber auch mit seinem sehr wertvollen Partner an seiner Seite, der ihm den Rücken freihält.

Einem Partner, der in Gegensatz zu dem sehr auffälligen Tausendsassa eher ruhig und unauffällig ist. In den 90ern, als Harald Glööckler nur ein Ö in seinem Namen hatte und seine Kreationen im Stuttgarter Geschäft verkaufte, trug auch Dieter Schroth bei den damals schon sehr pompö- sen Modenschauen sehr farbenfrohe, maßgeschneiderte An- züge. 1990 gründeten die beiden das Modelabel POMPÖÖS. Im Jahr 2000 zogen sie dann von Stuttgart nach Berlin – und damit begann der steile Aufstieg ihrer Firma. Inzwischen sind die Kreationen wie die Glööckler Tapeten z.B. in 80 Ländern der Welt vertreten.    

Herr Schroth, was würden Sie machen, wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten?
Fast ... alles noch einmal genauso!

Wie jung waren Sie, als Harald Glööckler in einer Disco auf Sie zusteuerte?
Ich war 38 Jahre alt. Meine Frau liess sich von mir scheiden. Ich verlor meine zwei über- aus geliebten Kinder. Ich wollte keine Schei- dung. Das war bis dahin die schlimmste und schwerste Zeit in meinem Leben. Viele Wunden trage ich noch heute mit mir herum, die noch nicht verheilt sind. Ich wollte mich abends vom Alltagsstress und der Tragödie meines Lebens ablenken und besuchte eine Diskothek in Mannheim. Ich weiß es noch genau, es war ein Samstag im April 1987.  An diesem Abend war die Disco mit Tausenden von Menschen so voll, dass es Schicksal und Bestimmung sein musste, dort einen Menschen zu treffen, der für mich „für's Leben“ bestimmt war.    

Trifft der Satz „Gegensätze ziehen sich an“ für Sie und Haraid Glööckler zu?
Ich war von Natur aus schon immer der Zurückhaltende, auch in der Kleidung. Harald war schon immer extrovertiert, das gefiel mir von Anfang an. Ich finde es sehr wichtig in einer Beziehung, dass man den Menschen an seiner Seite akzeptiert, so wie er ist. Man sollte nicht versuchen, etwas ändern zu wollen. Daran scheitern viele Beziehungen. Gegensätze sollen sich ja anziehen, sagt man.

Wie sind die Aufgaben in Ihrer Partnerschaft verteilt?
Im Beruflichen und privat. Harald ist natürlich der Kopf des gesamten Unternehmens, und das nicht nur im kreativen Bereich. Ich arbeite ihm das Kaufmännische zu. Ich habe auch, seit wir in Kirchheim in meiner Heimat leben, beschlossen, an keiner unserer öffentlichen Pressekonferenzen mehr teilzunehmen. Dafür haben wir ein junges Team um Harald aufgebaut, welches ihn begleitet, und es klappt prima. Ich merke, dass die Kraft jetzt weniger wird und ich mehr Ruhe haben möchte. Mit 70 macht man sich andere Gedanken über die Zukunft – ich zumindest und auch darüber, wie man die verbleibende Zeit sinnvoll und mit Freude gestaltet.

Womit können Menschen Ihnen eine Freude bereiten?
Durch Loyalität, die aber auch gegenseitig ist.

Haben Sie immer an sich geglaubt, oder gab es Momente, an denen Sie alles hinschmeißen wollten? Wenn ja, wie war das?
Ich glaube, niemand kann immer an sich glauben, und jeder Mensch hat schwache Momente, in denen er aufgeben möchte – egal was es ist. Diese hatte ich natürlich auch, aber sie bleiben bei mir, das geht auch nur mich etwas an.

Ist Ihr Leben auch heute noch eine Entdeckungsreise? Oder was sonst?
Ja, mein Leben ist nach wie vor  interessant, da ich ja trotz offiziellem Rückzug meinerseits täglich mit Haralds Erfolgen und immer wieder neuen Geschäftspartnern, die gerne mit ihm  und unserer Firma Pompöös arbeiten wollen, konfrontiert werde. Die berufliche Bandbreite von Harald Glööckler ist einmalig, die kein anderer Designer so nachweisen kann, wie in unserer Biografie auf unserer Website nachzulesen ist.

Spielt Gott in Ihrem Leben eine Rolle? Wenn ja, welche?
Ich weiß nicht, ob ich es Gott nenne. Ich glaube zumindest an eine Kraft und bete auch immer wieder für meine Liebsten und manchmal auch für mich, je nachdem, was ich angestellt habe.

Ist man niemals zu alt, um jung zu sein?
Im Kopf bin ich noch sehr jung ... das ist nicht immer gut. (zwinkert).

Welchen Wunsch haben Sie noch an das Leben?
Noch ein paar gesunde Jahre, und dass es meinen Liebsten um mich herum gut geht und sie glücklich sind. Ich wünsche auch meinem Schwiegersohn Jochen Frey und seinem Bruder Bernd, die das erste Café Pompöös mit Blick auf den Kurpark in Bad Dürkheim gerade eröffneten, viel Erfolg und Freude an ihren Aufgaben. Es ist das erste, und weitere werden folgen. Auch in Hamburg haben sich Interessenten bereits angemeldet. Im Norden Hamburgs steht ja auch das erste und bisher einzige Glööckler-Haus, welches Harald entworfen hat.  

Text/Bilder Marion Schröder © SeMa